Multikopter-Hersteller will mehr forschen

Schweden fliegen auf Kasseler Drohnen: Konzern kauft Aibotix

Flugroboter neben einem der neuen Windräder in der Söhre: Einer der Einsätze der Maschinen, auf die sich die Kasseler Firma Aibotix nun spezialisiert hat. Nun wurde sie von einem schwedischen Konzern übernommen.

Kassel. Die Hexagon Group aus Schweden übernimmt den Kasseler Hersteller von Drohnen und Flugrobotern, die Aibotix GmbH, mit sofortiger Wirkung. Die Kasseler erhoffen sich dadurch, von der Erfahrung zu profitieren und ihre eigenen Maschinen voranzubringen.

Sie sind schnell, wendig, leicht, intelligent und belastbar: die ferngesteuerten Hubschrauber-ähnlichen Drohnen der Kasseler Aibotix GmbH. Seit Dienstag werden die Flugkünstler von der Marbachshöhe von Schweden aus gesteuert – zumindest im übertragenen Sinn. Denn der weltgrößte Vermessungstechnik-Hersteller Hexagon hat den Kasseler Multikopter-Bauer übernommen und wird ihn in die Schweizer Leica-Gruppe, einen Laser- und Sensorik-Spezialisten, integrieren.

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Das Geschäft kam nicht zufällig. Leica hat sich Aibotix im vergangenen Jahr unter weltweit einem knappen Dutzend Anbietern als Drohnen-Lieferanten ausgesucht und seither die Fluggeräte vertrieben. „Die Wahl ist auf uns gefallen, weil wir aus Hexagon-Sicht die Besten sind“, sagt Aibotix-Chef Jörg Lamprecht nicht ohne Stolz.

Mit dem starken Hexagon-Konzern im Rücken will er mit seinen drei Partnern das Unternehmen am Firmensitz in Kassel zu einem konzernweiten Zentrum für Robotik und autonome Systeme machen. Lamprecht ist sicher, dass das gesamte Vermessungswesen vor einem großen Umbruch steht. Künftig würden sehr viel mehr intelligente Multikopter, Straßen- und Wasserfahrzeuge diese Jobs übernehmen. „Und daran werden wir arbeiten“, sagt der erfolgreiche Unternehmer.

Die Aibotix-Fluggeräte inspizieren mit hochauflösenden Kameras Hochspannungsleitungen, Hallendecken- und wände, Brücken, Staumauern, Windräder, Gas- und Ölpipelines und Bahntrassen, sie vermessen Bergwerke und zählen Pinguine am Südpol – und das sehr viel preiswerter als bemannte Helikopter oder Industriekletterer. Der Markt wächst schnell, sehr schnell. Bereits in drei Jahren wird er global auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

Lamprecht hat dieses Potenzial frühzeitig erkannt und das Unternehmen 2011 mit Partnern aus der Taufe gehoben. „Ich bin ein guter Gründer, aber ein schlechter Manager“, witzelt er. Was er damit meint? Er bringt ein Baby zum Laufen, und wenn es das kann, gibt er es zur Adoption frei – mit bislang großem Erfolg (siehe auch Artikel unten).

Drei Männer und ein Flugroboter: Die Kasseler Firma Aibotix.

Zu Hexagon: Der weltweit agierende, börsennotierte Konzern gehört in Sachen Mess- und Vermessungstechnik zu den ersten Adressen. 2013 setzte er mit 14 000 Beschäftigten 2,43 Mrd. Euro um. Unterm Strich blieben 105 Mio. Euro Reingewinn. Kontrolliert wird die Gruppe von Melker Schörling, einem der reichsten Schweden. Der 67-Jährige hält 47,5 Prozent des Kapitals.

Artikel aktualisiert um 20.15 Uhr

Zusammen mit seinem Geschäftsfreund Gustaf Douglas kontrolliert er ferner den Sicherheitsdienst und Geldtransporteur Securitas. Der weltweit größte Anbieter von Sicherheitsdiensleistungen erzielte 2012 mit 300.000 Beschäftigten einen Umsatz von 7,5 Mrd. Euro.

Von José Pinto

Archiv-Video: Mit dem Flugroboter über den Windrädern

Weitere Hintergründe zur Übernahme und zur Führung des Unternehmens lesen Sie in der HNA-Mittwochsausgabe.

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