Kasseler Elektrotechnik-Studenten gewinnen internationalen Zukunftspreis

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Unter Strom: Das Team um die Kasseler Elektrotechnik-Studenten Martin Umbach (links) und Markus Horn hat für das neuartige Ladegerät einen internationalen Innovationspreis gewonnen. Autohersteller und Zulieferer haben bereits Interesse angemeldet.

Kassel. Sie brachten den Zoll zum Rotieren, tüftelten bis zur letzten Sekunde, düpierten schließlich die internationale Konkurrenz und haben inzwischen das Interesse der Automobilbranche geweckt.

Jetzt sind die vier Elektrotechnik-Studenten der Uni Kassel, die am vergangenen Wochenende in den USA den Innovationspreis beim Internationalen Wettbewerb der Zukunftsenergie gewonnen haben (wir berichteten), wieder zu Hause.

„Das war richtig aufregend“, sagt Markus Horn (28). Er und seine Kommilitonen Martin Umbach, Mike Höhre und Christian Schütz haben ein neuartiges Ladegerät für Lithium-Ionen-Akkus entwickelt, die in Elektroautos zum Einsatz kommen. Das Quartett aus Nordhessen schaffte es als einziges europäisches Team ins Finale des Studenten-Wettbewerbs. So flogen die Nachwuchsingenieure, die zehn Monate an dem Konzept gearbeitet hatten, mit ihrem Ladegerät nach Dearborn (Michigan), um es dort einer internationalen Jury vorzustellen.

„Auf dem Hinflug ging noch alles glatt, aber beim Rückflug hielt der Zoll unsere Kiste erst für eine Bombe“, sagt Horn und grinst. Dabei seien es doch die Ladegeräte der Finalisten aus China und Südkorea gewesen, die vor den Punktrichtern explodierten.

Das Gerät aus Kassel hingegen hielt allen Prüfungen stand. Professor Peter Zacharias (Leiter des Fachgebiets Elektrische Energieversorgung) wertete den Preis anschließend als „herausragenden Erfolg“, der die Leistungsstärke der Studenten beweise.

„Wir haben aber bis zur letzten Sekunde getüftelt“, sagt Horn, der noch am Finaltag an der Software gefeilt hatte. Ob Probleme bei der Bedienung oder die Umstellung auf die höhere amerikanische Netzfrequenz - „rückblickend war das eine furchtbar knappe Kiste“, sagt Horn, der wie seine Mitstreiter jetzt erst mal seine Semesterferien genießen möchte.

Günstiger und effizienter

Ein Vorteil der Kasseler war die Digitaltechnik. „Während die anderen Hochschulteams noch viele Elektrochips eingebaut hatten, entschieden wir uns für einen einzigen Mikroprozessor“, sagt Martin Umbach (24). Ihr Ladegerät sei deshalb zuverlässiger und robuster als die der Mitbewerber gewesen. Ferner erfülle es die Wettbewerbskriterien, leichter, kostengünstiger und effizienter als heutige Geräte zu sein. Es ist außerdem für unterschiedliche Netzfrequenzen und -spannungen geeignet. „Auch der Einsatz im Elektroauto überzeugte die Jury“, berichtet Horn.

Vereinfacht gesagt vermittelt das Ladegerät zwischen Wechselstrom aus der Steckdose und dem Gleichstrom der Akkus, erklärt Umbach die Notwendigkeit im Elektroauto. In Serie hergestellt, vermutet er, werde es wohl deutlich kleiner ausfallen als der Prototyp.

Erste Automobilhersteller und Zulieferer hätten bereits Interesse angemeldet, sagt Dr. Benjamin Sahan, der das Projekt begleitete. Vielleicht gibt es bald neue gute Nachrichten.

Von Sebastian Schaffner

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