Prof. Dr. Ralf Bebenroth, Fachgebiet International Business, Kobe University, Japan

Kasseler erfolgreich in Japan: Unterwegs in japanischen Unternehmen

Wissenschaftler aus Kassel forscht und lehrt seit Jahren in Japan und liefert eine Analyse deutsch-japanischer Unternehmensübernahmen und -beteiligungen an der UNIKIMS.

Die Internationalisierung schreitet fort

Deutsche Unternehmen sollten auf der Suche nach Beteiligungsmöglichkeiten Japan im Blick behalten, rät Prof. Dr. Ralf Bebenroth vom Fachgebiet International Business der Kobe University in Japan. Die Internationalisierung schreite auch dort voran, sagt der aus Kassel stammende Wirtschaftswissenschaftler Bebenroth mit Blick auf einen Vortrag, den er am 30. Juli auf Einladung der UNIKIMS halten wird.

Anmeldung zum Vortrag

Zu dem Vortrag "Unterwegs in japanischen Unternehmen" können Sie sich auf der Homepage der UNIKIMS unter http://www.unikims.de anmelden. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

Für die UNIKIMS organisiert Bebenroth den Austausch mit der Kobe University. Regelmäßig ermöglicht er eine Reise durch Japan und besucht mit Studierenden der UNIKIMS, z. B. aus den berufsbegleitenden Studiengängen MBA General Management und Master Industrielles Produktionsmanagement, japanische Unternehmen. Die Studierenden, die sich in Kassel berufsbegleitend wissenschaftlich weiterbilden, stammen aus ganz Deutschland und nehmen in international tätigen Unternehmen Führungsaufgaben wahr. Sie sind auch zum Vortrag eingeladen und stehen, wenn ihnen ein Kommen möglich ist, selbstverständlich auch für Fragen zur Verfügung. Ein Tagebuch über die jüngste Studienreise durch Japan finden Sie im aktuellen Magazin LernFaktor der UNIKIMS unter http://www.unikims.de/de/ueber-uns/lernfaktor.

Der japanische Markt hat nie gekanntes Transaktionsvolumen erreicht

Bebenroth sagt, der japanische Markt für Mergers and Acquisitions habe in den letzten Jahren mit durchschnittlich 2.500 Transaktionen ein hohes, nie gekanntes Transaktionsvolumen erreicht: „Gegenüber den 90er Jahren, in denen jährlich nur um die 500 Fälle gezählt wurden, ist das ein extremer Anstieg.“ Bebenroth führt das auf einen Einstellungswandel in Japan zurück. Die japanischen Unternehmen bewerteten Akquisitionen durchaus positiver. Nicht mehr der Verkauf an den „Feind“, sondern vielmehr die Hilfe eines Partners bestimme die Diskussion. Noch vollziehe sich der Großteil der Übernahmen zwischen japanischen Unternehmen, aber zugleich schotte sich Japan immer weniger gegen Übernahmen aus dem Ausland ab. So sei die Zahl der Akquisitionen durch europäische Unternehmen in Japan wie auch die der Übernahmen europäischer Unternehmen durch japanische in den vergangenen Jahren auf rund 150 Fälle jährlich angestiegen. Anfang des Jahres habe zum Beispiel die japanische JFE Elektronik Freudenkessel aus Duisburg übernommen, während der TÜV-SÜD im Jahr 2012 die japanische Zacta gekauft habe. Bei letzterer Akquisition sind für Bebenroth die ersten Erfolge bereits sichtbar.

Bebenroth rät zu einer intensiven Vorbereitung

Die wachsenden wechselseitigen Annäherungen dürften aber nicht auf die immer noch großen Unterschiede in den Kulturen beider Länder – auch im Geschäftsleben – hinwegtäuschen. Bebenroth rät zu einer intensiven Vorbereitung vor jeglichem Geschäftskontakt mit Japan, denn einmal begangene Fehler könnten im Japangeschäft kaum korrigiert werden. Das Land sei nicht mit Hongkong oder Singapur zu vergleichen. „Schickt man die falschen Mitarbeiter – vor allem das erste Mal – nach Japan, kann viel Porzellan zerschlagen werden. Manager mit Auslandserfahrung in Asien werden schnell zugeben müssen, dass man in Japan anderen Gesetzen folgt. Dort überzeugt nicht der bekannte Stallgeruch des Mutterhauses, sondern das Verstehen oder zumindest das Respektieren der japanischen Kultur“, sagt Bebenroth. Entsandte nach Japan kosteten die Stammhäuser dort nicht nur viel Geld wegen der hohen Mieten und der hohen Gehälter, sondern sie könnten Geschäftsbeziehungen, die über Jahre aufgebaut wurden, in wenigen Meetings existenziell gefährden. Zunächst sollten sich Entsendungswillige also einmal auf das Land mit landesspezifischen Kursen vorbereiten. Besser wäre vielleicht sogar, auf Mitarbeiter mit Japanerfahrung zurückzugreifen. Dank einer stattlichen Zahl japanischer Programme und Förderungen für deutsche Manager gebe es durchaus Personen, die in Japan bereits für ein bis zwei Jahre leben durften und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland häufig jegliche Japanverbindung verloren. Diese Manager würden sicher für das ein oder andere deutsche Unternehmen ihre Talente nutzen wollen.

Bebenroth wurde 1968 in Kassel geboren, studierte dort Wirtschafts-wissenschaften und promovierte im Februar 2001 zum Thema: Bewertung bei Akquisitionen japanischer Targetunternehmen – aus Sicht deutscher Industrieunternehmen. Bereits im März selbigen Jahres (2001) ging er nach Japan. Nach den zwei höchst dotierten Stipendien (jeweils zweijährig, vom DAAD und Humboldt) wurde er auf den Lehrstuhl für International Business an der Kobe University berufen und lehrt dort auf japanisch.

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