Entwicklungshilfe

Kasseler Experte mobilisiert Feuerwehr-Hilfe für Afrika

Internationaler Feuerwehrverband International Fire and Rescue Confederation (IFRC), gegründet in Kassel, Ausbildungsprojekt in Kenia
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Gruppenbild mit Kollegen aus Kenia: Ehrenamtliche wie Markus Fahlbusch (vorn links) helfen mit bei der Aufbauarbeit des in Kassel gegründeten Verbandes in dem ostafrikanischen Land.

Eine in Kassel gegründete Brandschutz-Organisation will Aufbauhilfe für Feuerwehren in Entwicklungsländern leisten. Ein erstes Projekt startet in Kenia.

Kassel – Mit Expertise und Kontakten aus Kassel sollen Entwicklungsländer dabei unterstützt werden, ein zeitgemäßes Feuerwehr- und Rettungswesen aufzubauen. Auf Initiative des Kasseler Brandschutzexperten Lothar Hügin wurde die International Fire and Rescue Confederation (IFRC) gegründet – eine Art Entwicklungshilfe-Organisation für die Feuerwehr. In Kenia ist die im Aufbau befindliche Truppe bereits mit Schulungseinsätzen aktiv.

Das Hauptgeschäft der Kasseler Hügin Group ist eigentlich vorbeugender Brandschutz. Dabei sind die Experten etwa für den historischen Staatstheaterbau in Wiesbaden aktiv, auch am kürzlich eröffneten Hauptstadtflughafen BER war die Firma längere Zeit vorbereitend tätig. Doch in ärmeren Ländern gehe es um viel elementarere Dinge, sagt Ingenieur Lothar Hügin, der auch einen Lehrauftrag an der Universität Kassel hat und seit seinem zwölften Lebensjahr „durch und durch Feuerwehrmann“ ist.

Als Experte für dieses Thema kommt Hügin international viel rum, hat etwa Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir auf einer Delegationsreise ins ostafrikanische Djibouti begleitet. Vor ein paar Jahren entsandte ihn die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Bangladesh, wo er Berufsfeuerwehrleute schulen sollte.

Dort hatte sich einige Zeit zuvor eine Katastrophe ereignet: Beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza waren über 1000 Menschen gestorben. Hügin besichtigte diverse ähnliche Betriebe, sprach mit Einsatzkräften und Behördenvertretern. Sein Eindruck: Viel guter Wille sei da, der Bedarf an Unterstützung immens, aber die bauliche und organisatorische Lage verheerend. Hügin: „Die nächsten Katastrophen dieser Art sind nur eine Frage der Zeit.“

Verbandsgründer: Ingenieur Lothar Hügin mit Freundschafts-Abzeichen, die er beim Besuch von Feuerwehren in Bangladesh und Djibouti erhalten hat.

Das Thema habe ihn nicht mehr losgelassen. In der Folgezeit trieb in die Frage um, was man tun könne, um Rettungskräften unter solchen Bedingungen zu professionelleren Strukturen zu verhelfen. Nachdem Hügin in den Beirat des Deutschen Feuerwehrverbandes berufen wurde, gewann er die Unterstützung von fünf Landesfeuerwehrverbänden sowie mehreren Fachverbänden und Hilfsorganisationen zur Gründung der IFRC, deren Präsident der Kasseler ist.

Zusammen mit Feuerwehr-Aktiven, die bereits in Afrika ehrenamtlich Unterstützung leisten, will der Verband im Frühjahr sein erstes Projekt starten: Feuerwehrleute aus der Region Kilifi County in Kenia, nördlich der Hauptstadt Nairobi gelegen, sollen eine Atemschutzgeräte-Ausbildung erhalten. „Unsere Aufgabe dabei ist es, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen“, sagt Lothar Hügin.

Parallel werde zurzeit ein Ausbildungskonzept erarbeitet, das sich auch auf andere Länder übertragen lässt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorgestellt werden soll. Die Einsatzkräfte seien in Entwicklungsländern häufig als reine Löschtruppe an die Polizei angegliedert. Man wolle vor allem auch darauf hinarbeiten, dass sie wie hierzulande üblich ebenso fit für technische Hilfeleistungen und Unfallrettung werden, sagt der Kasseler Feuerwehrexperte. (Axel Schwarz)

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