Familie soll für vier Tage Strom- und Gasverbrauch 2000 Euro zahlen

+
Sorge vor Weihnachten ohne Strom: Grit Finauer und Reinhold Hoffmann haben nach der Pleite ihres Stromanbieters Teldafax eine hohe Nachzahlungsforderung von den Städtischen Werken bekommen.

Kassel. Zwei Jahre lang haben Grit Finauer und ihr Mann Reinhold Hoffman Strom und Gas für ihr Reihenhaus im Auefeld vom Energiediscounter Teldafax bezogen. Jetzt wird es teuer für die Familie.

Nach der Insolvenz von Teldafax wurden sie Mitte Juni automatisch von den Städtischen Werken, die in Kassel gesetzlich festgelegter Grundversorger sind, als Kunden übernommen. Fast 3000 Teldafax-Kunden wurden damals in den Grundversorgungstarif des Kasseler Energieversorgers eingestuft.

Im Oktober bekam Familie Hoffmann-Finauer die Jahresrechnung von den Städtischen Werken. Ausgewiesen sind darin für einen Zeitraum von vier Tagen, vom 17. bis 20. Juni, auch etwa 2000 Euro für Strom und Gas. „Wir dachten, dass kann nur ein Irrtum sein, denn so viel kann man in vier Tagen ja gar nicht verbrauchen“, sagt Grit Finauer. Deshalb wehrten sie und ihr Mann sich gegen die Zahlung.

Jetzt hat die vierköpfige Familie Sorge, Weihnachten ohne Strom verbringen zu müssen. In einer Mahnung kündigen die Städtischen Werke an, die Energiezufuhr abzustellen, wenn die Rechnung nicht beglichen wird.

Die Summe von 2000 Euro seien natürlich nicht innerhalb von vier Tagen entstanden, erklärt Otto Kirchner, Leiter des Kundenservice der Städtischen Werke. Es handele sich um eine Nachzahlung, die dadurch zustande kam, dass für die Familie zu geringe Schätzwerte für den Verbrauch angesetzt worden waren. Das sei erst am 20. Juni beim Ablesen des tatsächlichen Zählerstands zutage getreten. Das heißt, bei den 2000 Euro handele es sich um die Differenz zu den zu niedrig berechneten Verbrauchsmengen seit der Belieferung durch den Billiganbieter.

So seien mit Teldafax beim Strom beispielsweise nur 4400 Kilowattstunden (kWh) abgerechnet worden. Insgesamt habe die Familie aber während der Belieferung durch Teldafax 3870 kWh mehr verbraucht. Beim Gas liegt die Differenz bei 20.900 Kilowattstunden. Die Gesamtverbräuche in dem Zeitraum seien für einen vierköpfigen Haushalt im Rahmen.

„Wir haben unsere Abschläge immer ordnungsgemäß gezahlt und einmal im Jahr den Zählerstand an Teldafax mitgeteilt“, sagt Reinhold Hoffmann. Bevor keine Abschlussrechnung von Teldafax oder dessen Insolvenzverwaltung vorliege, wolle er zudem noch nichts an die Stadtwerke überweisen, was den Vertragszeitrum mit Teldafax betreffe. Natürlich sei man bereit, einen Mehrverbrauch zu begleichen. „Aber bitte zu dem Tarif, der in diesem Zeitraum galt, und das war nicht der von den Städtischen Werken.“

Verärgert ist Hoffmann vor allem, dass die Städtischen Werke bislang trotz mehrfacher schriftlicher Bitte nicht zu einem klärenden Gespräch bereit gewesen seien und sich der Sachverhalt erst durch Einschalten der Medien erhelle. Gegenüber der HNA sagte Kundenservice-Leiter Kirchner, ein persönlicher Termin mit Einblick in die alten Rechnungen der Kunden sei ausdrücklich erwünscht.

Das Weihnachtsfest, versichert er, werde die Familie nicht im Kalten und Dunkeln verbringen - das lassen allein die gesetzlichen Fristen bis zum Einstellen der Versorgung nicht zu.

Von Katja Rudolph

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.