Kasseler Firma nimmt alte russische Atom-U-Boote auseinander

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Kasseler Firma nimmt alte russische Atom-U-Boote auseinander

Kassel / Murmansk. Eine 70 Tonnen schwere Maschine aus Kassel wird demnächst dafür eingesetzt, ausrangierte russische Atom-U-Boote zu zerlegen. Sie ist Teil einer großen Anlage, die mehr als 100 dieser U-Boote entsorgen soll.

Die Schrottschere ist eine Spezialanfertigung der Firma Danieli Henschel, die auf diesem Gebiet zu den bundesweit führenden Herstellern gehört. Bis zu neun Zentimeter dicken Stahl kann die Maschine zerschneiden. Das Besondere ist aber eine extrem leistungsstarke Absauganlage für Staub. Der wird über eine Filteranlage gereinigt. „Unsere Schrottschere wird Bestandteil einer großen Entsorgungsanlage“, sagt der Ingenieur Klaus Biermann, der das Projekt leitet.

Diese Spezialmaschine knackt die U-Boote.

In gut einem Jahr soll die Anlage in der Bucht von Saida bei Murmansk aufgebaut werden. Dort liegen etwa 150 ausrangierte russische Atom-U-Boote, die verschrottet werden sollen. Der Mittelteil mit dem atomaren Antrieb wird herausgeschnitten und komplett versiegelt. „Der wird mindestens 100 Jahre lang gelagert“, sagt Biermann. Die Teile der U-Boote, die übrig bleiben, sind immer noch schwach bis mittelstark radioaktiv. Deshalb ist die starke Absauganlage der Schrottschere aus Kassel so wichtig. „Die U-Boote werden in einer großen Halle zerkleinert, da dringt nichts nach außen“, sagt Biermann.

Was die Maschine genau kostet, will er aus Wettbewerbsgründen nicht sagen. Es gehe um einen einstelligen Millionenbetrag. Der Auftrag beinhalte einen Rundumservice. Dazu gehört der Transport über 3000 Kilometer bis nach Murmansk und der Aufbau in dem militärischen Sperrgebiet.

Auftraggeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Das ist an dem internationalen Großprojekt für die Entsorgung der U-Boote mit rund einer Milliarde Euro beteiligt. Hintergrund ist ein Abkommen gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und -materialien. So soll verhindert werden, dass das Nuklearmaterial in die Hände von Terroristen kommt. Russland hat die Atom-U-Boote ausrangiert, weil dies Bestandteil von Abrüstungsverhandlungen war.

Der Testlauf für die Schrottschere aus Kassel endet in diesen Tagen. Dann wird die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt und für den Transport mit einem Tieflader fertig gemacht. Von Hamburg aus geht der Transport dann über die Nordsee bis nach Murmansk.

„Dort kann man nur im Sommer oder Winter aufbauen, ansonsten versinkt alles im Schlamm“, sagt Heike Rüppel, die für den Export und den Vertrieb bei Danieli Henschel zuständig ist. Mindestens zehn Jahre wird es dauern, bis die russischen Atom-U-Boote verschrottet sind.

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