Kasseler Firma Micromata schreibt lernfähige Software für neues Sprengstoffspürgerät

Besser als die Hundenase: Das Sprengstoffspürgerät, das Micromata mitentwickelt, soll nicht nur einen, sondern viele Sprengstoffe erkennen. Und das ohne Ermüdung und langes Training. Archivfoto: dpa

Kassel. Gerade wurde in den USA der „Unterhosenbomber“ verurteilt. Der erfolglose Selbstmordattentäter hatte an Weihnachten 2009 versucht, ein Flugzeug über Detroit zu sprengen. Die Bombe hatte er am eigenen Leib an Bord geschmuggelt.

Die Kasseler Firma Micromata entwickelt seit wenigen Monaten ein Gerät, das in der Lage sein soll, solche Anschläge zu verhindern.

Detektionsplattform für den Nachweis und die Identifikation von Sprengstoffen, kurz: Denaid, heißt das Forschungsprojekt, für das Micromata die Software schreibt. Hinter dem sperrigen Titel steckt ein Gerät, das etwa an Flughäfen die Aufgabe von Spürhunden übernehmen soll, um Passagiere auf Sprengstoffe am oder im Körper zu überprüfen, sagt der Projektleiter bei Micromata, Moritz Strube. Aber im Unterschied zu trainierten Tieren soll Denaid viele verschiedene Sprengstoffe erkennen können und nicht müde werden.

Die Idee stammt vom Laserlaboratorium in Göttingen, das auch die Federführung in dem Forschungsprojekt hat. Acht Partner sind beteiligt, darunter das Bundeskriminalamt, das Sprengstoffproben für die nötigen Tests liefert.

Für die Kasseler Programmierer sei die größte Herausforderung, ein System zu entwickeln, das selbstständig lernt: „Denaid wird aufgrund der Messungen bestimmte Sprengstoffe erkennen, kann aber auch verwandte Stoffe identifizieren“, sagt Strube.

Ziel sei es aber auch, dass das Gerät, das mit einem Absaugschlauch vermutlich wie ein großer Staubsauger aussehen wird, zwischen gefährlichen Sprengstoffen und ihren harmlosen Verwandten unterscheidet. Manche Bomben werden aus Düngemittel hergestellt. „Ein zuverlässiges Gerät schlägt nicht Alarm, wenn jemand nur seine Blumen gedüngt hat“, sagt Strube. Dafür sollen Sprengstoffe selbst dann erkannt werden, wenn nur kleinste Mengen in die Umgebung ausgedünstet werden, weil der Selbstmordattentäter die Bombe im Körper trägt.

Vom Erfolg überzeugt

Micromata-Geschäftsführer Kai Reinhard ist überzeugt, bis Ende 2014 einen funktionsfähigen Prototypen entwickeln zu können: „Die Frage wird nur sein, wie viele verschiedene Stoffe er sicher erkennt.“ Von den 2,3 Millionen Euro Gesamtkosten übernimmt der Bund über 82 Prozent. Micromata wird laut Reinhard jährlich einen mittleren sechsstelligen Betrag in das Projekt investieren, mit dem Micromata seinen Ruf als innovatives Softwareunternehmen weiter stärken wolle.

Dass sich das rentiert, dafür stünden auch die Partner, die schon jetzt darauf achteten, dass sich das fertige Produkt vermarkten lässt. Bisher wurden zwei Mitarbeiter neu eingestellt, drei weitere sollen folgen. Sie würden auch langfristig benötigt, sagt Reinhard.

Von Marcus Janz

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