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Zwischen Kraftwerk und Solardach: Software für Energienetze aus Kassel

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Von: Barbara Will

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Retoflow-Gründer Leon Thurner, Simon Drauz-Mauel und Jannis Kupka (von links).
Machen die Planung von Energienetzen einfacher: die Retoflow-Gründer Leon Thurner, Simon Drauz-Mauel und Jannis Kupka (von links). © Barbara Will

Die Kasseler Firma Retoflow hat ein Software-Programm für Energienetzbetreiber entwickelt. Es wird geprüft, ob ein Anschluss an das bestehende kommunale Netz möglich ist.

Kassel – Wenn die Gründer des Startups Retoflow ihr Programm vorführen, erscheint auf dem Laptop eine Karte, die aussieht, als hätten sie die Grafik eines Navigationssystems mit einem Schnittmusterbogen gekreuzt: Straßenzüge sind darauf zu sehen, Gebäude und farbige Linien. Letztere markieren Versorgungsleitungen und sind gewissermaßen den Ausgangspunkt des Geschäfts.

Vor gut einem Jahr haben sich Leon Thurner, Simon Drauz-Mauel und und Jannis Kupka mit Retoflow selbstständig gemacht. Ihre Software ist für Energienetzbetreiber konzipiert: Sie prüft, ob der Anschluss einer Wärmepumpe, Photovoltaikanlage oder Ladestation für das E-Auto an das bestehende kommunale Netz möglich ist oder dessen Ausbau verlangt, erklärt Kupka. Wer sich eine solche Anlage zulegen will, muss sie beim Netzbetreiber anmelden.

Prüfsysteme für Energienetze aus Kassel: Keine Programmierkenntnisse nötig

Prüfsysteme gibt es bereits, doch „die Programme sind als klassische Desktoplösungen nicht so nutzerfreundlich und flexibel wie unsere Software“, sagt Thurner. Programmierkenntnisse seien nicht notwendig. Die Energiewende hat aus Stromeinbahnstraßen, die vom Kraftwerk zum Abnehmer führen, Netze gemacht, die nicht nur Energie an Verbraucher verteilen, sondern sie auch aus vielen erneuerbaren Quellen aufnehmen müssen.

Die Untersuchung, welche Spitzenbelastungen in beiden Richtungen das Netz aushält, gehört zur Retoflow-Anschlussprüfung. Ein weiteres Projekt ist die langfristige Stromnetzplanung, die stetig an Entwicklungen angepasst wird und sich dabei auf Prognosen stützt.

Idee zu Energienetzen inzwischen 2500 Mal pro Woche heruntergeladen

Geboren wurde die Idee an der Universität Kassel und im hiesigen Fraunhofer Institut, in dem die Gründer an einem Projekt zur Stromnetzplanung forschten. Das Institut ebnete ihnen auch den Weg zur Unternehmensausgründung. Die ersten Produkte aus der Fraunhofer- und Universitätszeit gibt es kostenlos: Pandapower für die Planung von Stromnetzen und Pandapipes für Rohrnetze sind sogenannte Open-Source-Systeme, die Anwender weiterentwickeln können. Etwa 2500 Mal pro Woche werden sie inzwischen weltweit heruntergeladen, sagt Thurner.

„Wir profitieren von der Reichweite.“ Denn das Pandaprogramm ist der Grundstock für die Anwendung – die Retoflow-Software baut darauf auf. „Dadurch können wir direkt Methoden aus der Forschung einbauen, was klassische Tools nicht leisten.“ Inzwischen hat das Unternehmen fünf Kunden für seine Netzplanung gewonnen, weitere Verhandlungen laufen. Doch bei der Gestaltung von Stromnetzen soll es nicht bleiben: Eine Datenplattform, auf der Betreiber von Wind- und Solaranlagen Anschlussmöglichkeiten prüfen und einen ersten Kostenüberblick erhalten können, ist in Arbeit. Gefüttert wird sie mit öffentlich zugänglichen Daten, Topografie der Umgebung inklusive.

Weitere Projekte für Firma aus Kassel bereits in Arbeit

Daneben treibt das Unternehmen, für das inzwischen acht Menschen arbeiten, die Arbeit an einer Software für die Gestaltung von Rohrnetzen voran, vorrangig geht es um Gas- und Wärmeleitungen. Für Planer der Energieversorger sollen sie in Kombination mit dem Stromnetz zu sehen sein. „Diese Kopplung ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Thurner. „In Zukunft wird man diese Netze nicht mehr getrennt betrachten können.“

„Durch den Zubau von Photovoltaik und Windkraftanlagen stand in den letzten Jahren vor allem das Stromnetz im Mittelpunkt. Doch fast 40 Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland entstehen in der Wärmeversorgung. Deshalb rückt die Wärmeversorgung jetzt immer stärker in den Fokus“, sagt Drauz-Mauel. (Barbara Will)

In Kassel soll die Energiewende vorangetrieben werden. Doch für E-Auots gibt es ein Problem: Ladesäulen sind selten.

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