„Es regnete Asche“

Vulkanausbruch auf La Palma: Ehepaar aus Kassel muss fliehen

Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma.
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Der Vulkan Cumbre Vieja stößt Lava aus: Betroffen ist besonders der Westen der Insel La Palma.

Christel und Monika Bauer nennen die Insel La Palma ihre zweite Heimat. Als der Vulkan Cumbre Vieja ausbricht, müssen sie jedoch schnell zurück nach Kassel.

Kassel - Es war ein sonniger Sonntagnachmittag. Christel und Monika Bauer aus Kassel lagen am Strand von Santa Cruz, der Hauptstadt ihrer zweiten Heimat, der Kanareninsel La Palma. Plötzlich wurden die 77-Jährigen durch eine Rauchsäule aus ihrer Entspannung gerissen. In der Cumbre Vieja, einer 2000 Meter hohen Vulkankette, war es nach 50 Jahren wieder zu einem Ausbruch auf La Palma gekommen.

Die Erlebnisse liegen zwei Wochen zurück. In ihrem heimischen Wohnzimmer in Wehlheiden erzählen die pensionierten Lehrer aber immer noch bewegt von ihren letzten Urlaubstagen vor ihrer Flucht. „Es gab schon drei, vier Tage vor dem Ausbruch Warnungen im Fernsehen“, erzählt Christel Bauer. Da hätten sich die beiden aber noch wenig Gedanken gemacht. Immerhin wussten die Experten nicht, ob ein Ausbruch nur noch Tage oder gar Wochen entfernt ist.

Ehepaar aus Kassel erlebt Vulkanausbruch auf La Palma: „Es regnete Asche“

Doch dann kam der Ausbruch und die Erdbeben häuften sich. „Es war verrückt, die Sonne schien und es regnete Asche vom Himmel“, erzählt Monika Bauer. Die Straßen und die Terrasse ihres Ferienhauses mussten regelmäßig von der schwarzen Asche befreit werden.

Der pensionierte Leiter der Martin-Luther-King-Schule und die ehemalige Lehrerin der Reformschule wollten sich so schnell nicht vertreiben lassen. Immerhin kommen sie seit 20 Jahren auf die Insel und verbringen jedes Jahr drei bis vier Monate in Santa Cruz. „Das Leben schien normal weiterzugehen. Die Leute saßen in den Bars und Cafés, obwohl die Erde bebte und es donnerte“, sagt Christel Bauer. Befreundete Einheimische seien auf die andere Inselseite gefahren, um das Schauspiel aus der Nähe zu sehen. Das wollten die Bauers lieber nicht.

Plötzlich stieg Rauchsäule auf: Christel Bauer machte dieses Foto.

Mittendrin im Menschenauflauf waren sie aber, als Ministerpräsident Pedro Sánchez sowie König Felipe VI. und Königin Letizia nach Santa Cruz kamen, um ihre Unterstützung zu versprechen.

Vulkanausbruch auf La Palma: Ehepaar muss über Teneriffa die Rückreise nach Kassel antreten

Der Vulkan brodelte immer heftiger. Und so konnten die Kasseler eine Woche nach dem ersten Ausbruch nachts kein Auge mehr zumachen. „Alle fünf Minuten hörte es sich so an, als ob in einem nahe gelegenen Bergwerk etwas gesprengt wird und es gleichzeitig donnert und ein Feuerwerk gezündet wird“, berichtet Christel Bauer. Nun wurde aus dem mulmigen Gefühl Angst. Mitten in der Nacht packten sie ihre Koffer. „Für den Fall, dass wir plötzlich evakuiert werden“, sagt Monika Bauer.

In einem ihrer Stammlokale: Christel (links) und Monika Bauer am Strand von Santa Cruz.

Weil der Flughafen wegen des Vulkans gesperrt ist, buchten sie am nächsten Morgen ein Fährticket nach Teneriffa. Am Hafen trafen sie Deutsche, die auf der östlichen Inselseite, wo sich die Lava ins Meer ergoss, aus dem Pool evakuiert worden waren und in einer Kaserne in Feldbetten die Nacht verbringen mussten. Von Teneriffa ging es zwei Tage später zurück nach Deutschland.

Die Gedanken der Bauers sind bei den vielen Menschen, die ihre Häuser und Plantagen verloren haben. „Viele rechnen nach Corona mit einem zweiten Einbruch des Tourismus auf der Insel. Aber sobald der Vulkan erloschen ist, wird das Reiseziel einen Boom erleben. Es wird nicht nur mit Vulkanologen aus aller Welt gerechnet. Das war schon vor 50 Jahren so“, sagt Christel Bauer. Die Kasseler haben für den 24. November wieder ein Flugticket nach La Palma. Noch sind sie guter Dinge, dass sie zurückkehren. (Bastian Ludwig)

Die giftigen Gase des Vulkans auf La Palma erreichten auch Deutschland. Weitere Infos aus der Stadt und Menschen aus der Region erhalten Sie mit unserem Kassel-Newsletter.

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