Fahrzeug verbraucht kaum Energie

Kasseler Forscher entwickeln Auto mit zwei Rädern

Wissenschaftler der Uni Kassel haben den Prototypen eines Fahrzeugs entwickelt, das mit Strom betrieben wird. Es könnte überall dort fahren, wo herkömmliche Autos nicht hindürfen.

Stabilisiert wird das einachsige, mit zwei Rädern ausgestattete Fahrzeug durch ein elektronisch gesteuertes Hin- und Herbewegen der Radachse. „Durch die Bewegung der ganzen Achse werden die Schwerpunkte so verlagert, dass das Fahrzeug im Gleichgewicht bleibt und senkrecht steht“, erklärt Prof. Ludwig Brabetz, Leiter des Fachgebiets Fahrzeugsysteme und Grundlagen der Elektrotechnik. Das Besondere: Das Fahrzeug verbraucht dafür kaum Energie, und die Fahrzeuginsassen bekommen von den Stabilisierungsbewegungen kaum etwas mit. Weitere Vorteile: Das Gefährt kann auf der Stelle wenden und stößt keine Schadstoffe aus. Zwei Personen haben Platz darin, gesteuert wird ganz einfach per Joystick.

Wendiger Prototyp mit einer Achse: Der wissenschaftliche Mitarbeiter Paul Oborowski (von links) und die technischen Angestellten Christian Timpe und Martin Schelhas führen das Fahrzeug vor. Fotos: Konrad

Eingesetzt werden könnte das Fahrzeug laut Dr. Mohamed Ayeb, Akademischer Oberrat am Fachgebiet, beispielsweise in Stadtzentren, verkehrsfreien Wohngebieten, Parks wie dem Kasseler Bergpark und Kulturlandschaften, in denen sich der Einsatz herkömmlicher Straßenfahrzeuge aufgrund baulicher Gegebenheiten oder bestimmter Umwelt- und Touristikpakete verbietet. Gerade für ältere oder bewegungseingeschränkte Menschen könnte das Fahrzeug dort eine Möglichkeit bieten, sich zu bewegen, ohne die Infrastruktur aufwendig verändern zu müssen. „Auch Flughäfen wären ein denkbarer Einsatzort“, sagt Brabetz.

Aber so weit ist es noch nicht. Das Fahrzeug soll noch leichter und kompakter werden. Außerdem gibt es Überlegungen, in einem zweiten Schritt eine teilautonome Fahrzeugsteuerung zu konzipieren, bei der GPS-Daten und eine Umfeldsensorik zum Einsatz kommen könnten.

2,91 Millionen Euro

Die Fahrzeuginsassen könnten nach Angaben der Projektkoordinatoren so zusätzlich aktuelle Informationen zur Umgebung erhalten und auf ein Fahrzeugassistenzsystem zurückgreifen, das sie zu einem gewünschten Ziel leitet, ohne dass der Insasse aktiv in die Fahrzeugsteuerung oder Ladevorgänge eingreifen muss. Zunächst soll der Prototyp aber noch weiter optimiert werden.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von August 2011 bis Oktober 2013 mit 2,91 Millionen Euro gefördert. An dem Projekt waren außerdem die Fachgebiete Anlagen und Hochspannungstechnik, Elektrische Energieversorgungssysteme, Leichtbau-Konstruktion, Mensch-Maschine-Systemtechnik sowie sechs Industriepartner beteiligt. Koordiniert wurde das Forschungsprojekt vom Fachgebiet Fahrzeugsysteme und Grundlagen der Elektrotechnik.

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