Agrarwissenschaften wollen bessere Lagerung von Lebensmitteln erreichen – Verluste nach der Ernte sollen vermieden werden

Kasseler Uni forscht gegen Hunger in Afrika

Projektkoordinator: Michael Hesse mit einer Süßkartoffel. Foto: Schröter

Kassel / Witzenhausen. Die Welt hat ein Problem: Ein Drittel der weltweit geernteten Nahrungsmittel geht verloren, bevor es überhaupt die Teller erreicht. Während dies in den Industrieländern hauptsächlich durch Vergammeln in den Kühlschränken geschieht, liegt es in den Entwicklungsländern eher an Unzulänglichkeiten auf dem Weg zum Verbraucher.

Um diese „Nachernteverluste“ in Ostafrika zu minimieren, entwickeln Wissenschaftler der Universität Kassel zusammen mit afrikanischen Partnern derzeit im Verbundprojekt „GlobE – Reload“ verschiedene Strategien.

Was die mehr als 60 an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler von 16 Institutionen aus Deutschland, Äthiopien, Kenia und Uganda unter anderem erreichen wollen, zeigt das Beispiel der Süßkartoffel. Dieses nährstoffreiche Knollengewächs wird weltweit in über 100 Ländern angebaut und könnte eine wichtige Ernährungsalternative bei Hungerkrisen auf dem afrikanischen Kontinent darstellen.

„Dies liegt zum einen am hohen Vitamin-A-Gehalt, zum anderen benötigen einige Sorten der Süßkartoffel nur drei Monate, bis sie geerntet werden können“, sagt Projektkoordinator Michael Hesse vom Fachgebiet Agrartechnik der Uni Kassel. Was schnell wachse, verderbe in der Regel aber auch sehr schnell, sodass die Produzenten ihre Süßkartoffeln bislang – teilweise mit großen finanziellen Verlusten – innerhalb von zwei Wochen nach der Ernte verkaufen müssten.

Bessere Lagerung ist Ziel

Um diesem Zustand entgegenzuwirken, werden in den Laboren und Gewächshäusern des Kasseler Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen jetzt Methoden zur verbesserten Lagerung der Süßkartoffel erarbeitet. Der aus Ghana stammende Doktorand Joseph Korese entwickelt dafür ein solar betriebenes Lüftungssystem, das die langfristige Lagerung der Knollen auch und gerade unter tropischen Bedingungen ermöglichen soll.

„Das gesamte Projekt ist keine Entwicklungshilfe“, betont Diplomingenieur Michael Hesse. „Es handelt sich um ein Forschungsprojekt, das auch dazu beitragen wird, in Afrika neue Arbeitsplätze zu schaffen.“ Ein zentrales Anliegen aller Teilprojekte sei es, die Wertschöpfung der entwickelten Maßnahmen möglichst in den Herstellerländern zu belassen und die Veredelungsprozesse nicht – wie es allzu oft geschehe – in die Industrienationen zu verlagern. „Außerdem wollen wir erreichen, dass die Transportwege der Nahrungsmittel nach der Ernte möglichst kurz gehalten werden“, sagt Hesse.

7,5 Mio. Euro Förderung

Das 2013 gestartete und auf fünf Jahre befristete Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie in einem Teilbereich vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit insgesamt 7,5 Millionen Euro gefördert.

Von Per Schröter

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.