Trotz Verbots nehmen viele Halter Hunde mit auf Friedhof

Trotz Hundeverbot am Friedhof: Kot auf dem Grab des Sohnes

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Sie ist enttäuscht und entsetzt: Ingrid Kienzler-Przybilla auf dem Harleshäuser Friedhof am Grab ihres Sohnes. Auf diesem hat sie kürzlich einen Kothaufen entdeckt. Zudem war es verwüstet worden. Fotos: Ludwig, privat

Kassel. Eigentlich ist das Mitnehmen von Hunden auf allen Kasseler Friedhöfen verboten. Dennoch beobachteten seine Mitarbeiter immer wieder, dass sich einige Halter nicht daran hielten, sagt Jürgen Rehs, Leiter der Kasseler Friedhofsverwaltung.

Vor allem auf dem Hauptfriedhof käme es zu Verstößen. Aber offenbar nicht nur dort. Ingrid Kienzler-Przybilla, deren Sohn auf dem Harleshäuser Friedhof begraben liegt, fand nun auf dessen Grab einen Hundehaufen – zum zweiten Mal.

Als sie jetzt zum Grab ihres Sohnes kam, war die Harleshäuserin geschockt. Die Blumenvase mit Rosen war umgestoßen, die Rosen auf dem Grab verteilt und dazwischen lag Kot. „Vor einem halben Jahr lag schon einmal ein Hundehaufen auf dem Grab“, erzählt die Frau, die vor 16 Jahren ihren Sohn verloren hat. Häufig beobachte sie, dass Halter ihre Hunde unangeleint auf dem Friedhof laufen ließen. „Das ist pietätlos gegenüber den Angehörigen der Toten. Das ist ein Ort der Trauer und kein Hundeplatz.“

Beweisbild: Das Handyfoto hat die Harleshäuserin gemacht.

Die Physiotherapeutin ist in ihrer Praxis schon ein paar Mal mit ihren Patienten ins Gespräch über dieses Thema gekommen. „Auch meine Patienten berichten mir, dass sie regelmäßig Hunde auf dem Friedhof sehen.“ Bei einer alten Dame, die ihren Dackel an der Leine führe, sage niemand etwas. Aber es gebe Grenzen.

Wenn sie die Halter auf das Hundeverbot anspreche, dann ernte sie nicht immer Verständnis. „Von manchen bekommt man eine unflätige Antwort“, sagt Kienzler-Przybilla. Sie würde sich wünschen, dass etwas mehr soziale Kontrolle auf dem Friedhof stattfinden würde.

Rehs von der Friedhofsverwaltung sieht keine Möglichkeiten, gegen das Problem vorzugehen. Nur auf dem Hauptfriedhof gebe es einen Aufsichtsdienst. Aber auch der sei nur dreimal die Woche nachmittags unterwegs. Für mehr reiche das Geld nicht. Und die Friedhofsgärtner arbeiteten nur zwischen 7 und 15.30 Uhr auf den Friedhöfen und hätten nicht immer die Zeit, Hundehalter anzusprechen.

Rehs rät anderen Friedhofsnutzern, die Halter direkt anzusprechen. „Nicht nur die Hinterlassenschaften der Hunde sind ärgerlich, sondern auch ihr Gebell“, sagt der Friedhofsverwalter. Was den Kot angehe, handele es sich aber auch häufig um Waschbärkot.

Dies schließt die Harleshäuserin für den jetzt von ihr entdeckten Haufen aus. „Ich kenne Waschbärkot.“

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