Zwei Uni-Professoren haben Aufgaben für bundesweiten Leistungsvergleich in 9. Klassen konzipiert

Zwei Kasseler fühlen Deutschlands Schülern auf den Zahn

Kassel. Warum stellen sich Pinguine beim Brüten eng zusammen? Wie weit kommt man mit einer achtel Tankfüllung noch? Diese Fragen des jüngsten Schulleistungsvergleichs für Mathe und Naturwissenschaften stammen aus Kasseler Feder:

Jürgen Mayer

An der Entwicklung des bundesweiten Tests, dessen Ergebnisse kürzlich veröffentlicht worden sind, waren zwei Didaktik-Professoren der Uni Kassel maßgeblich beteiligt.

Für die Konzeption der Matheaufgaben war Prof. Werner Blum verantwortlich, der seit Kurzem im Ruhestand ist. Die Entwicklung der Fragen für Biologie hat Prof. Jürgen Mayer geleitet. Dass das für die Umsetzung des Schulvergleichs zuständige Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zwei der vier Bereiche (Mathe, Bio, Chemie, Physik) in die Hände der Uni Kassel gegeben hat, belegt den guten Ruf der hiesigen Fachdidaktik.

Werner Blum

Bei der Studie im Auftrag der Kultusminister der Länder hatten ostdeutsche Neuntklässler deutlich besser abgeschnitten als die Schüler im Westen. 44 500 Neuntklässler aller Schulformen waren 2012 bundesweit getestet worden. Für die Kasseler Professoren ging die Arbeit schon Jahre zuvor los. Biologie-Didaktiker Mayer, der 2007 mit den Entwicklung der Aufgaben begann, erklärt, worauf es bei Tests wie diesem ankommt.

Überprüft werden sollte, inwieweit die Schüler die bundesweit verbindlichen Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss beherrschen. „Es ging also nicht darum, Faktenwissen abzuprüfen, sondern bestimmte Kompetenzen, die die Schüler zum Ende der Sekundarstufe I haben sollten“, erklärt Mayer. Viele Schüler der Jahrgangsstufe 9 hätten das Detailwissen aus der 5. oder 6. Klasse bereits vergessen. Es gelte daher zu sehen, ob das Grundverständnis für biologische Prinzipien und für das Vorgehen bei naturwissenschaftlichen Experimenten hängen geblieben ist.

Die Herausforderung beim Erstellen der Testfragen (für Biologie 300) sei, dass sie klar und einfach formuliert sind und die Schüler ansprechen, sagt Mayer. Die ersten Entwürfe wurden an Kasseler Schulen mehrfach vorgetestet und dann nachgebessert. Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich wurde gefeilt.

Lehrer-Fortbildung nötig

Dass die ostdeutschen Bundesländer so klar die Nase vorn haben würden, hatte der 59-jährige Wissenschaftler nicht erwartet. Offensichtlich gelinge es den Lehrern dort besser, die 2005 eingeführten bundesweiten Bildungsstandards zu vermitteln. Die Studie zeige, dass es im Westen noch Nachholbedarf gebe – und zum Beispiel Lehrerfortbildungen nötig seien.

Mayer ist überzeugt, dass in der Lehrerausbildung das Thema Leistungsüberprüfung und Diagnostik – im Unterricht und durch Klassenarbeiten – künftig noch mehr Gewicht bekommt. Denn je größer die Leistungsunterschiede zwischen den Schüler sind, desto wichtiger sei eine individuelle Lernförderung. „Aber dazu muss ich erst mal erkennen können, wer lernstark und wer schwächer ist, und woran es beim Einzelnen hapert.“ An zwei Original-Aufgaben des Tests können Sie Ihre Bio-Kenntnisse überprüfen. Die Lösungen stehen unten links auf dem Kopf.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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