Branchenverband Dehoga rechnet mit Umsatzeinbußen

Was wird mit der Weihnachtsfeier? Kasseler Lokale haben weniger Buchungen wegen Corona

Gänseessen im Düsseldorfer Hof Kassel: Gabi Wendt (Mitarbeiterin Schölch Exclusives Wohnen), mit 10 Kollegen von ihrem Chef eingeladen, lässt sich im Dezember 2019 von Wirt Kostas Vick eine Gans servieren. Hinten Servicekraft Carmen Kleim.
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Als Corona noch kein Thema war: Im vergangenen Advent ließen sich Gabi Wendt (links) und ihre Kollegen im Düsseldorfer Hof von Wirt Kostas Vick einen Gänsebraten servieren. Hinten Servicekraft Carmen Kleim.

Größeren Firmengruppen ist es meist zu riskant, zur Weihnachtsfeier ein Lokal aufzusuchen. Viele schon gebuchte Termine wurden abgesagt, berichten Kasseler Wirte.

Kassel – Der Herbst hat Einzug gehalten und bei Kassels Gastronomen rückt unter Corona-Vorzeichen allmählich das Adventsgeschäft in den Blick: Wie wird es dieses Jahr mit den Weihnachtsfeiern von Kollegen-, Vereins- oder Freundesrunden? Die bringen üblicherweise ein Großteil der Umsätze zum Jahresende in der Branche. Kasseler Wirte rüsten sich entsprechend der eingeschränkten Möglichkeiten dafür. Aber auf viele der sonst üblichen Gästegruppen werden sie wohl verzichten müssen.

„Es wird kein starkes Weihnachtsgeschäft werden“, sagt Hauptgeschäftsführer Julius Wagner vom Branchenverband Dehoga Hessen voraus. Jetzt sei die Zeit der Reservierungen für solche Feiern. Vor allem bei größeren Unternehmen registriere der Dehoga eine deutliche Zurückhaltung, wie üblich mit der Belegschaft in Lokalen feiern zu wollen. Wagner spricht von einer Stornierungsquote bis zu 80 Prozent bei frühzeitig gebuchten Firmen-Events für den Advent. Es gebe „teilweise über Gebühr“ Vorbehalte, die Mitarbeiter in Corona-Zeiten zu so etwas einzuladen.

Für kleinere Weihnachtsfeier-Runden bis etwa zehn Personen sei aber die Buchungs-Nachfrage noch in üblichem Rahmen da, sagt der Dehoga-Sprecher. Davon würden örtliche Lokale aber in recht unterschiedlichem Maß profitieren – entscheidend sei diesmal weniger das Menü-Angebot, sondern ob sich die Gästegruppen gesundheitlich sicher fühlen würden. Wagner: „Es kristallisiert sich jetzt heraus, wer professionell arbeitet – und das nicht nur in der Küche.“

Im Düsseldorfer Hof in Wehlheiden, wo sehr viele Weihnachtsfeiern stattfinden, sind laut Inhaber Kostas Vick bisher etwa halb so viele Reservierungen eingegangen wie sonst zu dieser Zeit üblich. Zugleich gebe es etliche Stornierungen: „Die großen Firmen sagen alle ab.“ Betriebsrunden mit 50 bis 70 Teilnehmern seien in der Regel schon ein Jahr im Voraus reserviert worden, als von Corona noch keine Rede war. Von diesen Unternehmen hätten 70 Prozent einen Rückzieher gemacht, sagt Vick.

Dennoch ist der Wirt nicht unzufrieden: „Mein riesengroßer Vorteil ist, dass ich hier Platz habe.“ In den weitläufigen Räumlichkeiten des Düsseldorfer Hofs könnten Weihnachtsfeierrunden, die nicht allzu groß sind, flexibel platziert werden. Vick hat außerdem Luftreinigungsgeräte angeschafft und im geräumigen Wintergarten lasse sich günstigerweise das Dach zum Stoßlüften öffnen. Trotz der aktuellen Einschränkungen verspricht sich Vick durchaus noch etwas vom Weihnachtsfeier-Geschäft: „Wenn alles gut geht, komme ich mit einem blauen Auge davon.“

Auch Rainer Holzhauer, Mitinhaber vom Hotel Renthof in Kassel, geht davon aus, dass viele derzeit von Corona verunsicherte Weihnachtsfeier-Gruppen sich erst noch entscheiden werden. Im Vergleich zu Vorjahren habe das Restaurant im Haus erst ein Drittel der üblichen Reservierungen erhalten. „Ich glaube aber, dass das noch kommen wird“, sagt der Gastronom.

Die hausinternen Hygienekonzepte seien mittlerweile eingespielt, der normale Betrieb im Restaurant habe fast wieder das Niveau vor Corona erreicht. Für viele Gäste sei es aber „schwierig, die Angst zu überwinden“, sagt Holzhauer. Meldungen über steigende Infektionszahlen im Zusammenhang mit Geselligkeiten, wie zuletzt etwa aus München, „merken wir in der Gastronomie sofort“.

Auch im Renthof seien die Räumlichkeiten mit Luftfiltergeräten ausgestattet, größere Gruppen könten in der angrenzenden Alten Brüderkirche mit ausreichend Abstand bewirtet werden. „Wir tun alles für die Sicherheit, allerdings müssen die Gäste auch mitspielen“, gibt Holzhauer zu bedenken. Wer nach dem zweiten Bier nicht die Corona-Etikette vergesse und sich körperlicher Vertraulichkeiten enthalte, der könne auch sicher feiern.

Für größere Weihnachtsfeier-Gruppen, die dennoch Bedenken haben, hat der Gastronom zusammen mit den Betreibern des Tagungszentrums Südflügel im Kulturbahnhof und der Agentur Lenz Events ein alternatives Angebot entwickelt: Im überdachten Bahnhofsbereich beim Gleis 1 bieten sie die Organisation eines kleinen Weihnachtsmarkts an, mit Heizpilzen, Buffet- und Getränkebuden quasi im Freien. „Dafür haben wir auch schon erste Buchungen“, sagt Rainer Holzhauer.

Trotz aller Konzepte und kreativen Ideen: Das Geschäft zu diesem Jahresende hat viele Unwägbarkeiten für Kassels Gastronomen. Wie sich alles ändern würde, wenn es etwa aus aktuellem Anlass noch mal zu einem Lockdown käme – „das will sich momentan keiner vorstellen“, sagt Düsseldorfer-Hof-Wirt Kostas Vick.

Große Kasseler Unternehmen verzichten auf zentrale Weihnachtsfeier

Bei Kassels größeren Unternehmen geht die Tendenz dahin, dieses Jahr auf eine zentrale Weihnachtsfeier zu verzichten. So lädt die Kasseler Sparkasse normalerweise im Advent alle ehemaligen Mitarbeiter in ihre Kundenhalle ein. „ Wie wir dieses Jahr mit dem Thema Weihnachtsfeier umgehen werden, ist noch nicht entschieden, doch der Schutz aller steht selbstverständlich an erster Stelle“, sagt Sparkassen-Sprecherin Katrin Westphal.

Der Solarechnik-Hersteller SMA in Niestetal lädt üblicherweise ins Kongress-Palais zu einer großen Weihnachtsfeier, die von rund 1000 Personen besucht wird. „Unter den gegebenen Umständen denken wir für diesmal über alternative Formate nach“, sagte Unternehmenssprecherin Susanne Henkel.

Keine Betriebs-Weihnachtsfeier gibt es traditionell bei Wintershall Dea – weil es ein internationales Unternehmen mit Beschäftigten „der verschiedensten Religionszugehörigkeiten“ ist, sagte Pressesprecher Stefan Leunig zur Begründung. Wie es aus allen befragten Unternehmen hieß, sei es abgesehen von zentralen Firmenfeiern aber üblich, dass sich Mitarbeiter aus Bürogemeinschaften oder auf Abteilungsebene zu individuellen Weihnachtsfeier-Aktivitäten treffen. Inwieweit das in Lokalen stattfindet oder diesmal abgesagt wurde, sei nicht im Einzelnen bekannt. (von Axel Schwarz)

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