Bewährung für 67-Jährigen

Kasseler gestand: 61.500 Euro der Bundespolizei-Stiftung veruntreut

Kassel. Wegen Untreue in 15 Fällen hat das Kasseler Amtsgericht am Mittwoch einen früheren ehrenamtlichen Geschäftsführer der Bundespolizei-Stiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt und diese zur Bewährung ausgesetzt.

Dem 67-jährigen Kasseler wurde zur Auflage gemacht, binnen zwei Jahren 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen, die Leukämie-Kranke unterstützt.

Der Kasseler hatte über drei Jahre lang, zwischen Juni 2008 und Oktober 2011, Geld der Stiftung auf sein eigenes Konto abgezweigt und verbraucht. Er zahlte zwar, wie es seine Aufgabe war, die vom Vorstand bewilligten Spenden an in Not geratene Bundespolizei-Mitarbeiter oder deren Familien aus. Zusätzlich aber überwies er immer wieder Summen zwischen 1000 und 8000, einmal auch 10 000 Euro, an sich selbst und gab dabei Verwendungszwecke wie „Leukämie“, „Flut“ oder „Leistung“ an. Insgesamt entstand der Bundespolizei-Stiftung ein Schaden von 61 500 Euro, stellte das Gericht fest.

Was genau der Auslöser für diese Untreue-Taten gewesen war, vermochte der nicht vorbestrafte Mann am Mittwoch selbst nicht so recht in Worte zu fassen. Zunächst seine Scheidung, später ein Unfall hatten sein Leben womöglich in eine Schieflage gebracht, deutete sich an. Er habe Konten überzogen und mit dem Geld die Schulden ausgeglichen, berichtete er.

Vor 2008 hatte der Mann sein Amt bei der Stiftung offenbar etliche Jahre ordnungsgemäß ausgefüllt. Als er Ende 2011 vom Vorstand auf seltsame Buchungen angesprochen wurde, hatte es nur wenige Tage gedauert, bis er sein Fehlverhalten einräumte. Auch in einem bereits abgeschlossenen Zivilverfahren hatte er sich geständig gezeigt. Ein Teil seiner Rente wird jetzt gepfändet, um den Schaden nach und nach auszugleichen.

Diese Rückzahlungen und das frühe Geständnis führte Richterin Laufs-Belz am Mittwoch als wichtige Gründe dafür an, Bewährung zu geben. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger hatten das zuvor genauso gesehen. Beide hatten auch auf das später verhängte Strafmaß plädiert. Der Strafrahmen für gewerbsmäßige Untreue, die alle Juristen im Saal in diesem Fall annahmen, reicht von sechs Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe.

Ob die falschen Auszahlungen früher hätten entdeckt werden müssen, wurde nicht diskutiert. Der Angeklagte habe sich schon gut überlegt, wie er buchen musste, damit sein Tun nicht gleich auffiel, hielt ihm Amtsanwalt Craß vor.

Der 67-Jährige selbst betonte: „Mir tut alles furchtbar leid.“ Auf Rechtsmittel verzichtete er sofort. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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