Im Renthof geprägte Münze aus Edergold von 1677 wechselte für 100 000 Euro Besitzer

Kasseler Gulden versteigert

Ort mit Geschichte: Der Kasseler Renthof wurde viele Jahre als Münzstätte genutzt. Dort wurde auch der jetzt versteigerte Doppelgulden (beide Seiten im Bild) geprägt. Im Einsatz waren Fallhämmer und Spindelpressen. Foto: dpa

Kassel. Er ist ein Relikt des Goldrausches made in Nordhessen: Ein 340 Jahre alter Doppelgulden aus dem Flussgold der Eder wechselte jetzt auf einer Auktion in Osnabrück für 100 000 Euro seinen Besitzer. Das Goldstück ist das Einzige seiner Art und wurde seinerzeit von der Kasseler Münzstätte geprägt, die im Renthof beheimatet war. Das Unikum hatte Landgraf Karl von Hessen-Kassel (1654-1730) 1677 in Auftrag gegeben. Nun ist es in den Händen eines anonymen Privatsammlers.

Die Geschichte des Doppelguldens beginnt am Ederufer bei Obermöllrich, das heute ein Stadtteil von Fritzlar ist. Was für Nordamerikas Goldschürfer der Klondike River war, war in Hessen die Eder. Sie gilt als nördlichster deutscher Fluss, der bis heute Gold führt – allerdings nur noch in minimalen Mengen.

Gold vom Eisenberg

Ursprung des vergoldeten Stroms ist der Eisenberg bei Korbach, wo vom 12. bis Anfang des 17. Jahrhunderts der Goldbergbau blühte. Das Flüsschen Itter spült das Edelmetall vom Eisenberg in fein verteilten Flittern bei Ederbringhausen in die Eder. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde auf 55 Flusskilometern, bis zur Mündung in die Fulda bei Guntershausen, nach Gold geschürft.

Die jährliche Ausbeute lag aber aber nur bei wenigen Hundert Gramm. Die Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe schätzt, dass die Gesamtmenge des zu allen Zeiten geschürften Edergoldes nicht mehr als 20 Kilogramm auf die Waage brachte. Zum Vergleich: Aus den Stollen am Eisenberg wurde zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert über eine Tonne Gold gewonnen.

In Münzen und Medaillen wurden knapp vier Kilo Edergold in der Kasseler Münzstätte verprägt. Dies macht den jetzt versteigerten Gulden auch so wertvoll. Der reine Goldwert der 6,45 Gramm schweren Münze liegt nur bei 280 Euro.

Der Gulden zeigt auf einer Seite die Flusslandschaft der Eder samt ruhendem Flussgott. Auf der anderen Seite sind zehn Zeilen eingeprägt - lateinisch und in Abkürzungen -, die Titel und Daten zu Landgraf Karl beinhalten. Darunter steht der Schriftzug AEDERA AVRIFLVA (goldführende Eder).

1860 wurden die letzten kommerziellen Goldwascharbeiten an der Eder eingestellt. Bereits im Jahr 1835 musste die „Hessisch-Waldeckische Compagnie zur Gewinnung des Goldes aus dem Edder-Flusse“ mangels Erträgen aufgelöst werden.

Nach der Annektierung Hessens durch Preußen im Jahr 1866 wurde auch die Kasseler Münzstätte im Renthof geschlossen, wo für die Prägung Fallhämmer und Spindelpressen eingesetzt wurden.

Das Auktionshaus Künker hatte den Doppelgulden, der zu einer Hessen-Sammlung gehörte, am Dienstag versteigert.

Von Bastian Ludwig

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