Online-Parteitag: Armin Laschet neuer Parteichef

Kasseler Unternehmen Polyas half der CDU beim Wählen des neuen Vorsitzenden

Sprach zu den Parteitags-Delegierten: Kai Reinhard (Mitte), Geschäftsführer der Polyas GmbH.
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Sprach zu den Parteitags-Delegierten: Kai Reinhard (Mitte), Geschäftsführer der Polyas GmbH.

Armin Laschet wurde zum neuen Vorsitzenden der CDU gewählt – mithilfe eines Unternehmens aus Kassel. Die Polyas GmbH stellte die technische Infrastruktur zur Stimmabgabe beim Online-Parteitag.

„Die Begleitung des CDU-Parteitages war für unser Unternehmen ein Meilenstein“, sagt Polyas-Geschäftsführer Kai Reinhard, der auch Chef des Kasseler Software-Spezialisten Micromata ist. Polyas entstand Ende der 90er-Jahre als Projekt bei Micromata, 2012 erfolgte die Ausgründung. Schon 1996 kam die Polyas-Software zu ihrem ersten Einsatz. Damals simulierten 60 000 finnische Schüler die Parlamentswahl im Zuge eines Bildungsprojektes. „In Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt viele Menschen noch gar nicht im Internet“, sagt Reinhard mit einem Schmunzeln. „Wir waren der Zeit voraus.“

Diese Zeit war wichtig für die Weiterentwicklung der Polyas-Plattform, die von der Politik und Experten, etwa vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, stets kritisch begleitet wurde. Die erste rechtsverbindliche Wahl in Deutschland wurde dann 2003 mithilfe von Polyas durchgeführt. Die Initiative „D21“, ein Netzwerk von Akteuren der IT-Branche, wählte als erster eingetragener Verein des Landes seinen Vorstand online.

Die Polyas-Plattform fußt auf drei Säulen: Online-Wahlen, oft auch über längere Zeiträume; Online-Nominierungen von Kandidaten, etwa mittels Unterstützerlisten, und Live-Abstimmungen. Wahlberechtigte bekommen ihre individuellen Zugangsdaten per Post zugeschickt.

Polyas-Wahlsystem: Abstimmungsergebnisse stehen innerhalb weniger Minuten bereit

Abstimmungsergebnisse stehen innerhalb weniger Minuten bereit. „Zwei Kolleginnen und ich wussten als erste, wer die Wahl um den CDU-Vorsitz gewonnen hat. Für die Delegierten wurde das Ergebnis kurz danach in einer optischen Darstellung bereitgestellt“, berichtet Reinhard vom Parteitag am vergangenen Samstag, bei dem er selbst vor Ort war. Dort kam vor allem die Live-Abstimmung zum Einsatz. „Damit ermöglichen wir spontane Abstimmungen über Tagesordnungspunkte, mehrere Wahlgänge oder aufeinander aufbauende Wahlen“, erklärt der Chef die Funktion der Plattform.

Wurde auf dem Online-Parteitag gewählt: der neue CDU-Parteivorsitzende Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. 1001 Delegierte nutzen die Kasseler Polyas-Plattform zum Wählen.

Der Anzahl der Wahlberechtigten sind mit Polyas keine Grenzen gesetzt. Das Unternehmen treibt eine Vision: „Wir wollen Demokratie vereinfachen, Zugang zu ihr ermöglichen und ihre Kosten senken“, fasst es Reinhard zusammen. Polyas arbeitet an einer Plattform, die alle Prozesse bei Wahlen in Vereinen, Verbänden, Körperschaften und Parteien abdeckt – auch noch nach Corona. „Treffen sich Mitglieder oder Delegierte an einem Ort, macht die digitale Stimmabgabe die Wahl schneller und ist weniger fehleranfällig.“ Die bislang älteste Wählerin, die die Polyas-Plattform genutzt hat, war 104 Jahre alt. Reinhard ist überzeugt, dass in ein paar Jahren auch Parlamente auf diese Art gewählt werden, angefangen auf der kommunalen Ebene, wo es bereits zu digitalen Bürgerbefragungen komme.

Wollen Vereine oder Verbände online Wählen, bedarf es lediglich einer Satzungsänderung. Sobald es jedoch um öffentliche Institutionen wie Kammern oder Parteien oder gar um Parlamente geht, braucht es gesetzliche Anpassungen. „Viele Gesetze in diesem Bereich stammen noch aus den 50er- bis 70er-Jahren“, sagt Reinhard. Derzeit diskutiert die Politik eine entsprechende Änderung des Parteiengesetzes.

Polyas-Chef: Urnengang bei Parlamentswahlen soll nicht abgeschafft werden

Den klassischen Urnengang, etwa bei Bundestagswahlen, soll eine mögliche Online-Wahl niemals ersetzen, stellt Reinhard klar. „Das ist eine demokratische Tradition, die vielen sehr wichtig ist.“ Schlechter oder unsicherer als die immer beliebter werdende Briefwahl sei das Online-Wahlsystem jedoch keinesfalls. Bei Polyas können Wähler sogar nach der Auszählung nachvollziehen, ob ihre Stimme richtig gewertet wurde. Andersrum lässt sich aber nicht zuordnen, wer wie gewählt hat.

Am Wochenende kam es zwar zu vereinzelten Hackerangriffen, aber nicht auf die Polyas-Wahlplattform. „Wir waren aber vorbereitet.“ Das „hervorragende Feedback der CDU“, bestärke ihn, so Reinhard. „Wir konnten in aller Öffentlichkeit demonstrieren, was wir können.“ (Von Gregory Dauber)

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