Preisschock an der Tonne

Hausbesitzer klagen über Erhöhung der Müllgebühren

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Kritisiert die neuen Abfallgebühren: Peter Müller besitzt ein Haus in der Holländischen Straße. Für die zehn Mietparteien sind die Gebühren um insgesamt 400 gestiegen.

Kassel. Durch die neuen Müllgebühren wird es Gewinner und Verlierer geben – das stand bereits im vergangenen Jahr fest. Mittlerweile sind die Gebührenbescheide da und sorgen bei einigen Kasselern für Empörung.

Bekannt war schon vorab: Für einige Bewohner von Ein- und Zweifamilienhäusern werde es etwas günstiger, für die von Mehrfamilienhäusern teurer.

Betroffene berichten von Gebührenerhöhungen um bis 30 Prozent. Peter Müller beispielsweise besitzt ein Mehrfamilienhaus in der Holländischen Straße. Von den zehn Einheiten, werden acht bewohnt, zwei gewerblich genutzt. Für die vier 120 Liter-Tonnen wurden im vergangenen Jahr 1062,53 Euro Abfallgebühr fällig. Laut dem neuen Bescheid werden es künftig 1465,20 Euro sein – also 402,67 Euro mehr, für die Müllers Mieter aufkommen müssen.

Der Hausbesitzer findet dies „ungerecht und unsozial“. Er sagt: „Fakt ist, dass Bewohner von Einfamilienhäusern, die eher zu einkommensstärkeren Schichten gehören, deutlich entlastet werden, während Mieter in Mehrfamilienhäusern, die oft einkommensschwächer und meist Singles sind, massiv belastet werden.“ Dass Bürgermeister Jürgen Kaiser im vergangenen Jahr argumentiert habe, die neue Gebühr sei gerechter, findet Müller „schizophren“.

Der Hausbesitzer ist mit seinem Ärger nicht allein: Von einer „saftigen Erhöhung“ berichtet auch Gerd-Uwe Becker-Biskaborn - in seinem Mehrfamilienhaus mit neun Parteien seien die Gebühren von 958 auf 1193 Euro gestiegen. „Die Gebührenerhöhung geht wieder einmal zu Lasten der Mieter“, sagt er.

Dass die Gebührenänderung solche Folgen hat, ist für Wolfram Kieselbach, Vorstand von Haus & Grund Kassel, keine Überraschung. Bisher hätten die kleinen Haushalte unter dem Strich zu viel bezahlt. Daher sei eine Änderung logisch und auch anhand der Gebührenmodelle absehbar gewesen.

Beim Mieterbund zeigt man sich überrascht: „Dass es so viel teurer wird, war nicht vorauszusehen“, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Schwabe. Der Mieterbund hatte bereits im vergangenen Jahr die Gebührenänderung kritisiert. Wie groß der Protest der Mieter ist, sei noch nicht abzuschätzen, da bisher diese meist noch nicht informiert seien. Bisher liegen dem Mieterverein sechs Anfragen vor.

Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger, vermutet, dass es sich um Einzelfälle handelt. Angesichts von 33.000 Gebührenbescheiden sei der Anteil der Beschwerden bisher sehr gering.

Von Göran Gehlen

Das sagen die Stadtreiniger

Das neue Gebührenmodell unterscheidet zwischen einer Grundgebühr und einer Leistungsgebühr. So werden 62,76 Euro pro Wohnung fällig, unabhängig von der Müllmenge. Dies ist laut Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger, der Tatsache geschuldet, dass über die Abfallgebühr auch Leistungen wie die Entsorgung von Kühlschränken und Elektroschrott auf dem Recyclinghof finanziert werden. Und diese Leistungen fallen pro Haushalt an.

Die Leistungsgebühr richte sich dagegen strikt nach der Müllmenge. Wer viel verbrauche, zahle auch viel. Die Stadtreiniger verweisen darauf, dass es eine Rechtsvorgabe gibt, organischen Abfall vom Restmüll zu trennen. Dem trage man mit der neuen Biotonne und dem Gebührenmodell Rechnung. Wer seinen Kompost statt in die kostenfreie Biotonne zum Restmüll tue, muss tiefer in die Tasche greifen. Wer dagegen seinen Müll reduziert, beispielsweise durch Abfalltrennung, könne durch Angebote wie die Nachbarschaftstonne – zwei Anwohner teilen sich eine Mülltonne – Kosten sparen. (gör)

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