Nach Erdbeben: Forscher der Universität Kassel helfen beim Bau von Häusern

Kasseler helfen bei Aufbau auf Haiti

Professor Dr. Werner Seim bespricht mit den Diplom-Ingenieuren Tobias Vogt (von links) und Johannes Hummel die Entwürfe für die Haiti-Häuser. Vogt zeigt das Foto eines Holzhauses auf der karibischen Insel, das das Erdbeben fast ganz unversehrt überstanden hat.

Kassel. Auch fast zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben auf dem karibischen Inselstaat Haiti sind noch Hunderttausende obdachlos und zahlreiche Gebäude zerstört.

Seit einigen Monaten helfen Wissenschaftler der Universität Kassel in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Caritas International in der von der Katastrophe besonders schwer getroffenen Stadt Léogane, nahe der Hauptstadt Port-au-Prince, beim Wiederaufbau.

Mit Wissen von Kasseler Forschern gebaut: In Léogane auf Haiti hilft die Uni beim Aufbau mit. Foto: Caritas International

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Werner Seim, Leiter des Fachgebiets Bauwerkserhaltung und Holzbau, haben viel Erfahrung in erdbebensicherem Bauen. Dieses Wissen setzen sie ein, damit die neu gebauten Häuser besseren Schutz vor neuen Beben und anderen Naturkatastrophen bieten als die zerstörten. „Wir wollen eine positive Entwicklung anstoßen“, sagt Professor Seim.

Die Kasseler Forscher überprüfen anhand der von der Caritas übersandten Baupläne die Statik und Erdbebensicherheit der geplanten Gebäude. Eine Mehrzweckhalle für Unterrichtsräume und eine Cafeteria sind schon fertig. Und die Kasseler verhinderten durch ihre Überprüfung womöglich eine Katastrophe. Denn die gemauerte Halle mit ihrer Dachtragekonstruktion aus Stahl sei bei einem Hurrikan, die in Haiti öfter auftreten, einsturzgefährdet gewesen, wenn sie nach den Plänen der Haitianer errichtet worden wäre, sagt Seim. Die Kasseler sorgten dafür, dass die Wände dicker gemauert und zusätzliche Stahlseile unter dem Dach eingezogen wurden. An der Qualität des verwendeten Stahls hatte die amtliche Materialprüfungsanstalt der Uni Kassel dagegen nichts auszusetzen.

50 Häuser für Familien

Beim Bau von etwa 50 Häusern für obdachlose Familien planen die Forscher ebenfalls mit. Durch eine Steinschüttung mit unterschiedlicher Körnung als Fundament sollen diese Gebäude eher in der Lage sein, die Energie von Erdstößen abzufedern, als es mit einem herkömmlichen Betonfundament möglich wäre. Die Kasseler empfahlen außerdem ein Dach aus Holz. Das sei leicht und gebe den Wänden zusätzlichen Halt.

Holz ist eigentlich der Werkstoff, dessen Vorzüge die Forscher in ärmeren, erdbebengefährdeten Gebieten der Erde testen wollen. „Doch in Haiti sind die handwerklichen Fähigkeiten dafür völlig verloren gegangen“, sagt Seim. Zudem bräuchten die Menschen in Léogane massiven Schutz durch dicke Mauern. Denn dort zögen kriminelle Banden mit Schusswaffen durch die Wohngebiete. Im Februar will der Professor nach Haiti reisen, um den Bau der Häuser vor Ort zu verfolgen.

Von Peter Dilling

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