Beherberungsverbot für Reisende aus Risikogebieten

Kasseler Hotels mussten Gütersloher Gäste abweisen

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Beim Check-In geht der Blick auf die Postleitzahl: So wie im Kasseler Schlosshotel müssen die Mitarbeiter an der Rezeption das Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten achten. 

Das Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten, das seit Samstag in Hessen gilt, hat auch in Kasseler Hotels zu ersten Stornierungen geführt. 

Das Wellness-Wochendende in Kassel hatte für ein Paar aus Gütersloh noch gar nicht begonnen, da war es schon zu Ende. An der Rezeption des Schlosshotels war bereits Schluss. Denn kurz bevor die Gäste am Freitagnachmittag einchecken wollten, hatte das Land Hessen ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten verkündet – und dazu zählt aktuell der Kreis Gütersloh. Die Gäste mussten wieder nach Hause fahren, bedauert Schlosshotel-Mananger André Gawlas.

Zwei weitere für Samstag gebuchte Gäste aus dem Raum Gütersloh hatten noch versucht, kurzfristig einen Corona-Test zu machen, um den erforderlichen Negativ-Befund vorweisen zu können. Doch ihr reserviertes Zimmer im Schlosshotel blieb leer, berichtet Gawlas.

Nun gilt es für das Hotel direkt am Bergpark Wilhelmshöhe, sämtliche Reservierungen zu prüfen und bei Neuanmeldungen auf die Herkunft der Gäste zu achten. Für die Kollegen an der Rezeption liege eine Liste aller 13 Städte und Gemeinden im Kreis Gütersloh und der zugehörigen Postleitzahlen aus, berichtet der Hotelmanager. Er hofft nun, dass nicht weitere Regionen auf die Verbotsliste kommen. „Jeder Gast, der nicht anreisen kann, ist schlecht für die Hotellerie in einer Situation, in der man keine Umsatzrekorde macht“, sagt Gawlas.

Das sieht Norbert Stahlberg, Geschäftsführer im City Hotelan der Wilhelmshöher Allee ähnlich. Ihm sind durch die neue Verordnung am Wochenende direkt sechs Gäste für jeweils zwei Nächte entgangen. Gerade sei die Nachfrage zaghaft etwas gestiegen, da könne man erneute Umsatzverluste überhaupt nicht gebrauchen, so der Hotelchef. „Wir sind auf jeden Cent angewiesen, um überhaupt die laufenden Kosten zumindest in Teilen zu decken.“ Bei Neubuchungen werde man nun bei allen Gästen aus Nordrhein-Westfalen genauer nachfragen und gegebenenfalls die Vorlage eines Corona-Tests erbitten.

Im Best Western Hotel Ambassador in Baunatal hat das Personal flugs einen Aushang gemacht, der auf die neue Verordnung zum Infektionsschutz hinweist. Das Problem sei, dass bei Onlinebuchungen über Hotelportale nicht ersichtlich sei, woher die Kunden kommen, erklärt eine Hotelbeschäftigte. Im Ernstfall müsse man die Gäste an der Rezeption wieder nach Haus schicken. Sie gehe aber nicht davon aus, dass es so weit kommt, sagt die Mitarbeiterin: „Das wird sich ja jetzt schnell rumsprechen.“

Im Hotel Zur Post in Lohfelden hat sich Hiltrud Küfner schon die Postleitzahlen aus dem Kreis Gütersloh herausgesucht. Die meisten beginnen mit drei Dreien, was immerhin eingängig ist. Küfner glaubt auch nicht, dass man viele Gäste abweisen müsse. „Wen es betrifft, der wird es nicht darauf ankommen lassen.“ Da Geschäftsreisende von dem Verbot ausgenommen sind, seien die Firmenbuchungen, die man vor allem habe, glücklicherweise nicht betroffen.

Einen Aushang, dass Reisende aus Gütersloh nicht aufgenommen werden können, werde sie nicht machen, sagt Küfner: „Das ist schon schlimm genug, wenn man aus der Gegend kommt und jetzt so stigmatisiert ist.“

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