Kasseler IC-Bahnhof hat keine Schuld an Verspätungen

Viel Zugverkehr: Durch den IC-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe fahren zwar viele Züge, aber dies ist nicht verantwortlich für die verhältnismäßig vielen Verspätungen. Foto: Archiv/ Janz

Kassel. Regelmäßig werten wir in der HNA mithilfe des Kasseler Software-Unternehmens Eoda die Verspätungsstatistik für den Bahnhof Wilhelmshöhe aus. Diesmal schauen wir, ob die Drehkreuzfunktion des Bahnhofs Einfluss auf die realtiv hohe Zahl der Verspätungen hat.

In punkto Verspätungen belegt der IC-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe im November Platz acht unter den deutschen Fernbahnhöfen. Von den 3762 Abfahrten von ICs und ICEs verließen 33,9 Prozent den Bahnhof mit einer Verspätung von mehr als fünf Minuten. Die Vermutung, dass durch die zentrale Lage Kassels und die Drehkreuzfunktion des Bahnhofs die Verspätungsquote besonders hoch ist, bestätigt sich aber nicht.

„Landläufig hätte man ja vermutet, dass dort, wo sich viele Züge drängeln, es zwangsläufig zu mehr Verspätungen kommt“, sagt Andreas Wygrabek von der Firma Eoda. Diese These stimme aber nicht. Dies belegten seine Berechnungen.

Wygrabek hatte alle Fernbahnhöfe mit mehr als 1000 Abfahrten monatlich hinsichtlich ihrer Verspätungsquoten untersucht. Er stellte die durchschnittliche Zahl an täglichen Verbindungen in Relation zur Verspätungsquote der einzelnen Bahnhöfe.

Dabei stellte sich heraus, dass die Anzahl der Verbindungen - also Strecken, die über Kassel führen - keinen Einfluss auf die Pünktlichkeit hat. So verlaufen durch Bahnhöfe wie Frankfurt, Stuttgart oder Hamburg mehr Zugverbindungen, aber trotzdem ist dort die Verspätungsquote mit jeweils etwa 20 Prozent deutlich niedriger.

Aber wenn die Drehkreuzfunktion in Kassel nicht die Ursache für die vielen Verspätungen ist, woran liegt es dann. Wygrabek hält es für denkbar, dass die Lage Kassels aus anderen Grünen eine Rolle spielen könnte. Denn die Zugverbindungen starteten in der Regel nicht in Nordhessen. Weil die Züge am Startpunkt einer Strecke normalerweise pünktlich seien, könne Kassel von diesem Effekt nicht profitieren.

Sollte sich diese These untermauern lassen, wäre dies auch eine Erklärung dafür, warum Start-Bahnhöfe wie München, wo nur 14 Prozent der Züge im November verspätet abfuhren, so gut abschneiden. Dieser Vermutung will Wygrabek anhand des Datenmaterials nun nachgehen. Ein Ergebnis soll Anfang 2013 vorliegen.

Zugmonitor greift auf Bahndaten zu

Die Deutsche Bahn macht im Internet allzeit aktuell Angaben zu jedem einzelnen Zug: Ist er pünktlich? Wie groß ist die Verspätung? Warum kommt er zu spät? Die Berliner Agentur Open Data City hat für die Süddeutsche Zeitung ein Werkzeug entwickelt, um diese Daten für jeden Fernzug bundesweit zu sammeln und auszuwerten. Über Regionalverbindungen macht der Zugmonitor keine Aussagen. Unter www.sz.de/ zugmonitor kann jeder auf die Daten zugreifen und sie selbst auswerten. Für den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe hat das die Kasseler Firma Eoda für unsere Zeitung getan.

Von Bastian Ludwig

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