Gute Aussicht für Getriebebauer

Kasseler Insolvenzanwalt will Henschel sanieren und erhalten

Kassel. Das Kasseler Insolvenzgericht hat Dr. Andreas Kleinschmidt vom Frankfurter Büro White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Spezialgetriebebauers Henschel bestellt. Der Jurist hat unter anderem den Fußball-Verein Kickers Offenbach aus der Insolvenz geführt.

Andreas Kleinschmidt ist kein Unbekannter in Kassel. Er wuchs hier auf, machte am Friedrichsgymnasium Abitur und gehörte von 1993 bis 2002 für die CDU der Stadtverordnetenversammlung an. Kleinschmidt sieht gute Chancen für die Sanierung von Henschel.

Kleinschmidt, strebt eine langfristige Lösung für das Traditionsunternehmen an und will die Investorensuche forcieren. Das sagte der Kasseler Jurist im Gespräch mit der HNA. Wie berichtet, hatte das Insolvenzgericht Kleinschmidt mit einem Gutachten beauftragt, das unter anderem die Perspektive von Henschel beleuchten soll. Die erachtet der erfahrene Sanierer in einer ersten Einschätzung als gut. Gespräche mit Kunden und Lieferanten seien erfreulich positiv verlaufen, und die Belegschaft stehe zum Unternehmen. „Alle glauben an eine Zukunft“, betonte der Jurist.

Gemeinsam mit der Geschäftsführung werde er alles daran setzen, das Traditionsunternehmen dauerhaft am Standort zu erhalten. „Weil die Auftragsbücher voll sind, sehe ich hierfür gute Chancen“, erklärte Kleinschmidt. „Wir wollen die Chancen nutzen, mit den Instrumenten der Insolvenzordnung unseren eingeschlagenen Sanierungskurs fortzusetzen und unser Unternehmen auf eine solide Grundlage zu stellen“, sagte auch Henschel-Geschäftsführer Matthias Henke.

Das Gutachten will Kleinschmidt in einigen Wochen vorlegen. Er strebt eine Insolvenzeröffnung zum 1. Mai an. Betroffen sind jeweils zwei Gesellschaften in Kassel und im westthüringischen Heiligenstadt mit insgesamt 183 Mitarbeitern, davon 136 in Kassel. Die Auslandsgesellschaften in den USA, China und Tschechien sind nicht Gegenstand des jetzigen Verfahrens.

Die Gruppe war wegen starker Umsatzrückgänge infolge von Auftragsverschiebungen und -stornierungen in Russland und bei Herstellern von Erdöl- und Gasfördertechnik vor gut einem Jahr in eine finanzielle Schieflage geraten. Am Freitag schließlich stellte Henschel den Insolvenzantrag. Die Firma stellt unter anderem Getriebe für Hochgeschwindigkeitszüge, Loks und Straßenbahnen sowie für eine Reihe von Industrie-Anwendungen und Maschinen für die Kunststoffverarbeitung (Extruder) her. Die Kunden kommen aus aller Welt.

White & Case ist eine weltweit agierende Anwaltssozietät mit 39 Standorten in 28 Ländern. Allein in Deutschland werden 230 Rechtsanwälte, Steuerberater und Notare beschäftigt. Kleinschmidt, der in Kassel aufgewachsen ist, in Göttingen studiert hat und dessen Eltern hier leben, ist Partner des deutschen White & Case-Ablegers.

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