Gericht sah keinen Haftgrund, Staatsanwaltschaft legt Beschwerde ein

Kasseler IS-Kämpfer aus Haft entlassen

Ein 18-jähriger mutmaßlicher IS-Kämpfer aus Kassel, der im März am Frankfurter Flughafen festgenommen wurde und anschließend in Untersuchungshaft saß, ist wieder auf freiem Fuß.

Recherchen unserer Zeitung legen nahe, dass er sich wieder in Kassel aufhalten könnte.

Das Amtsgericht in Frankfurt hat entschieden, den Mann bis zum Strafprozess aus der Haft zu entlassen – nach HNA-Informationen, da keine Fluchtgefahr bestehe oder eine andere Gefährdung von ihm ausgehe. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass der 18-jährige Deutsche mit Migrationshintergrund seit dem 12. Juni wieder auf freiem Fuß ist. Sie hat dagegen Einspruch eingelegt. Jetzt muss das Landgericht Frankfurt entscheiden, ob der 18-Jährige doch wieder in Haft muss.

Wie berichtet, war der junge Mann gemeinsam mit zwei weiteren Männern aus Kassel und einer Frau aus Baunatal im Oktober 2014 nach Syrien gereist, um sich der Terrorgruppe Islamischer Staat anzuschließen. Im März wurde er am Frankfurter Flughafen festgenommen, nachdem er Syrien verlassen hatte.

Gegen den 18-Jährigen wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Das bedeutet: Die Behörden gehen davon aus, dass Personen, die sich in Syrien dem IS angeschlossen haben, dort Fertigkeiten erworben haben könnten, die sie zu Anschlägen in Deutschland befähigen.

Das Frankfurter Amtsgericht hatte nach HNA-Informationen bei seiner Entscheidung weitere Aspekte berücksichtigt: Der 18-Jährige war bei seiner Ausreise noch nicht volljährig. Zugutegehalten wurde ihm auch, dass er eine Arbeitsstelle hat und familiären Rückhalt hat.

In Hessen soll es rund 1600 Salafisten geben. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat jüngst in einem HNA-Interview bestätigt, dass Kassel ein Schwerpunkt salafistischer Aktivitäten ist. (mho)

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Rubriklistenbild: © AFP

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