Halbjahresgewinn eingebrochen

Kasseler K+S-Konzern leidet unter Abwasserproblemen

Kassel. Dem Kali- und Salzproduzent K+S machen die niedrigen Rohstoffpreise zu schaffen. Erschwerend hinzu kamen Produktionsstillstände im ersten Quartal.

Die Entsorgungsprobleme und ein flaues Auftausalz-Geschäft im ersten Quartal dieses Jahres sowie ein anhaltend niedriger Kalipreis infolge weltweiter Überkapazitäten haben dem Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S die Bilanz für die ersten sechs Monaten ordentlich versalzen.

Wie der im M-Dax der mittelgroßen Werte gelistet Rohstoffkonzern gestern mitteilte, stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um 2,2 Prozent auf 1,87 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach jedoch um fast 29 Prozent auf 165,9 Mio. Euro ein. Unterm Strich bleiben 113,5 Mio. Euro – ein Minus von gut 23 Prozent.

Gleichzeitig kassierte K+S seine 2015 ausgeprochene Mittelfristprognose von rund einer Mrd. Euro Ebit im Jahr 2020. Damals war ein Kali-Referenzpreis von 330 Dollar (280 Euro) für Brasilien unterstellt worden. Tastsächlich liegt der aktuelle Preis bei etwa 200 Euro und damit fast ein Drittel unter der damaligen Annahme. Im Herbst will K+S eine neue Prognose wagen.

Die Antwort der Kapitalmärkte folgte auf dem Fuß. Bis zum Nachmittag verlor die K+S-Aktie als MDax-Schlusslicht 5,4 Prozent auf 20,64 Euro. Daran änderte auch die Bestätigung der Ganzjahresprognose nichts. Das Ebit soll sich bei 260 bis 360 Euro einpendeln. Im Krisenjahr 2016 hatte es bei 229 Mio. Euro, im Jahr davor noch bei 781,6 Mio. Euro gelegen.

K+S kämpft mit Widrigkeiten

Das laufende Jahr hat für den Kasseler Kali- und Salzproduzenten begonnen wie das zurückliegende geendet ist: mit einer Reihe von Widrigkeiten, auf die der einzig verbliebene rein deutsche Rohstoffkonzern von Rang nicht immer Einfluss hat. Ein zwar leicht ansteigender, aber nichtsdestotrotz sehr niedriger Weltkalipreis wegen hoher Überkapazitäten drücken auf Umsatz und Marge, und auch für milde Winter, in denen Auftausalz wenig nachgefragt wird, können die Kasseler nichts.

Burkhard Lohr

Wohl aber für die Entsorgungsprobleme im hessisch-thüringischen Werra-Kalirevier, wo infolge des niedrigen Wasserstands die Verklappung salzhaltigen Abwassers aus Produktion und Halden stark eingeschränkt ist. Und auch der zweite Entsorgungsweg – die Verpressung in den porösen Untergrund – wird ökologisch und politisch immer schwieriger und muss absehbar ganz eingestellt werden. Wegen mangelnder Entsorgungsmöglichkeiten stand die Förderung im ersten Quartal dieses Jahres an 25 Tagen still, und K+S kann weitere Produktionsausfälle trotz der starken Niederschläge der vergangenen Wochen und dem daraus resultierenden hohen Pegelstand der Werra für den Rest des Jahres nicht ausschließen.

Abhilfe soll Anfang kommenden Jahres eine neue Reinigungs- und Rohstoffrückgewinnungsanlage bringen, die das Abwasseraufkommen weiter deutlich reduziert. K+S hat für den Gewässerschutz in den vergangenen Jahren 400 Millionen Euro in die Hand genommen und stellt sich auf weitere Investitionen im dreistelligen Millionenbereich im Werra-Revier ein.

Vor diesem Hintergrund bezeichnet K+S-Chef Dr. Burkhard Lohr, der das Amt erst im Mai von seinem langjährigen Vorgänger Norbert Steiner übernommen hat, 2017 als „Übergangsjahr“. Damit meint er nicht nur die Entsorgungsproblematik, sondern auch den im Juni eingeleiteten Anlauf des neuen Kalibergwerks „Bethune“ in Kanada, das Ende 2017 die angestrebte vorläufige Jahreskapazität von zwei Mio. Jahrestonnen erreichen soll.

K+S ist trotz der bestehende, weltweiten Überkapazitäten – auch weil der russische Eurochem-Konzern unlängst eine neue Mine in Betrieb genommen hat – überzeugt, diese zusätzlichen Mengen in den Markt drücken zu können. Damit solle „Bethune“ bereits im kommenden Jahr einen spürbaren Beitrag zum Konzernergebnis liefern.

Immerhin: Das zweite Quartal verlief deutlich besser als der entsprechende Vorjahreszeitraum, und die angestrebte Ergebnisverbesserung für das Gesamtjahr lässt darauf hoffen, das K+S die Talsohle durchschritten hat. „Das lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken“, erklärte Lohr.

K+S beschäftigt global fast 14 600 Mitarbeiter, davon allein gut 6000 in Nord- und Osthessen und davon wiederum 930 in der Kasseler Konzernzentrale. Im hessisch-thüringischen Kalirevier ist K+S der mit Abstand wichtigste Arbeitgeber, Investor, Steuerzahler und Sponsor.

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