Landgräfin bis Autorin

Buch erinnert an starke Frauen der Stadtgeschichte

Bringt Frauen groß heraus: Sabine Köttelwesch hatte die Idee für „Elf Frauen – Elf Jahrhunderte. Ehe die Spuren verwehen“. Foto:  Koch

Kassel. „Frauen sind in der landeskundlichen Literatur immer totgeschwiegen worden“, sagt Sabine Köttelwesch. Dabei habe es in Kassel viele Frauen gegeben, über die es sich zu berichten lohne.

Elf dieser Frauen werden anlässlich des Stadtjubiläums besonders gewürdigt. 1100 Jahre Kassel, das hat Historikerin und Bibliothekarin Sabine Köttelwesch (69) - die 35 Jahre lang die Hessische Sammlung in der Murhardschen Bibliothek betreut hat - zum Anlass genommen, einen Band über herausragende Frauen aus Kassel herauszugeben. Zusammen mit Elke Böker, Gründungsmitglied des Frauennetzwerks „Unternehmerinnen heute“, und der pensionierten Fachlehrerin Petra Mesic aus Schauenburg, die sich schon seit Langem für die Lebensgeschichten von kämpferischen Frauen interessiert.

Das Buch „Elf Frauen - Elf Jahrhunderte. Ehe die Spuren verwehen“ erscheint am morgigen Samstag: In dem Band werden allerdings nicht elf Frauen aus elf verschiedenen Jahrhunderten vorgestellt. Zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert habe es nur Äbtissinnen und Fürstenregentinnen gegeben, sagt Köttelwesch. Nach der Chronologie ist Landgräfin Anna von Hessen (1485 bis 1525) die Erste, über die berichtet wird. Sie habe mit List, Klugheit und Mut die Regentschaft für ihren Sohn, Philipp den Großmütigen, gesichert, sagt Köttelwesch.

Bei der Auswahl der Frauen seien die drei Herausgeberinnen subjektiv vorgegangen. Sie entschieden sich schließlich für elf Frauen aus unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Literatur, Musik und Wirtschaft. Manche der Frauen sind bis heute sehr bekannt: Zum Beispiel die Juristin und Politikerin Elisabeth Selbert, der zu verdanken ist, dass die Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert wurde. Oder die Schriftstellerin Christine Brückner, deren Romane in 17 Sprachen übersetzt und verfilmt worden sind. Oder Sophie Henschel, eine große Stifterin und Unternehmerin, die nachhaltig das Stadtbild geprägt hat.

Starke Frauen der Stadtgeschichte

Starke Frauen der Stadtgeschichte
Landgräfin Anna von Hessen (1485 bis 1525) war die Mutter von Philipp dem Großmütigen. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Herzogin Elisabeth von Mecklenburg (1596 bis 1625) war Musikerin, Dichterin und Übersetzerin. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Gertrud Elisabeth Mara (1749 bis 1833) war Musikerin und europäischer „Superstar“. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Louise Gräfin Bose (1813 bis 1883) trat durch großzügige Stiftungen und Schenkungen hervor. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Malwida von Meysenbug (1816 bis 1903) war Demokratin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Die Unternehmerin Sophie Henschel (1841 bis 1915) führte die Lokomotivfabrik zu Weltgeltung. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Auguste Förster (1848 bis 1926), Pädagogin und Vorsitzende des Casseler Frauenbildungsvereins. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Luise Greger (1862 – 1944) war eine der berühmtesten Komponistinnen ihrer Zeit in Europa. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Die Jüdin Sara Nussbaum (1868 bis 1956) überlebte den Holocaust und war die erste Ehrenbürgerin. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Die Juristin und Politikerin Elisabeth Selbert (1896 bis 1986) war eine der „Mütter“ des Grundgesetzes. © 
Starke Frauen der Stadtgeschichte
Die Bücher der Autorin Christine Brückner (1921 bis 1996) wurden in 17 Sprachen übersetzt. © 

Aber wer kennt heute noch Gertrud Elisabeth Mara oder Luise Greger? Zwei Musikerinnen, die zu ihrer Zeit in ganz Europa bekannt waren. Mindestens so populär wie heutzutage Anne-Sophie Mutter. Sind die Lebenswege der elf Frauen auch recht unterschiedlich gewesen, so haben doch alle Gemeinsamkeiten, sagt Köttelwesch: „Jede hat auf ihre Art aus ihrer Begabung herausgeholt, was zu holen war. Keine von ihnen hat resigniert, sondern ist immer ihren Weg gegangen.“

Kunigunde bis Rudnik

Für jede Persönlichkeit haben die Herausgeberinnen Experten gewonnen. Da es in Kassels Stadtgeschichte aber mehr als elf starke Frauen gegeben hat, hat Petra Mesic am Ende des Buchs 100 Frauen aufgelistet, deren Leben und Wirken herausragend waren: von Kunigunde von Luxemburg (975 bis 1033) bis Barbara Rudnik (1958 bis 2009).

Elf Frauen – Elf Jahrhunderte. Ehe die Spuren verwehen, 207 Seiten, 16,90 Euro.

Infos unter www.11frauen-11.jahrhunderte.de

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