Ersatz nicht vor April

Kasseler Klohäuschen mit viel Frischluft: Seit Wochen fehlt hier die Tür

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„Stilles Örtchen“ auf dem Präsentierteller: Die Toilette an der Endhaltestelle der Linie 3 soll erst im April eine neue Tür erhalten

Kassel. Viele öffentliche Toiletten haben ein Geruchsproblem. Das hat das Stille Örtchen an der Endhaltestelle im Stadtteil Fasanenhof an der Ihringshäuser Straße definitiv nicht. Dafür aber ein anderes.

Die bunten Kacheln blitzen, sogar Seife ist vorhanden. Ein lauer Frühlingshauch weht durch die offene Tür. Moment, wir korrigieren: durch das Loch, wo eigentlich eine Tür sein sollte.

Doch wo ist die Tür hin? Laut Stadt Kassel ist sie bereits vor Wochen bei einem Sturm beschädigt worden und hatte dann entfernen müssen. Anwohner vermuten allerdings Vandalismus.

Wir haben uns vor Ort mal umgesehen: „Gibt Schlimmeres“, sagt ein Mann, der auf seinen Anschlussbus wartet. Stimmt, man muss das positiv sehen: Die fünf mal fünf Meter große Kabine zählt wohl zu den am besten gelüfteten Toilettenräumen in Kassel.

Aber erinnern wir uns kurz an die vergangenen Woche – statt Frühlingshauch gab es da wohl eher Eiszapfen am Hintern. Jetzt könnte man sagen, wer muss, der muss. Aber wer mag sich schon auf den Präsentierteller hocken? „Ein Unding“ sagen die meisten Fahrgäste, die am Dienstag an der Endhaltestelle warten – von den Eiszapfen mal abgesehen. Gerade wer sein Auto auf dem Park- and Ride-Parkplatz abstellt und von da mit der Straßenbahn in die Stadt zur Arbeit fahre, würde die Toilette gelegentlich nutzen.

Für Frauen und Rollstuhlfahrer gibt es keine Alternative

Erika Kiricenko wohnt in der Nähe und steigt jeden Tag an der Endhaltestelle in die Straßenbahn. Gelegentliche habe sie die Toilette auch schon mal genutzt. Über die fehlende Tür habe sie sich gewundert. Ob die Toilette jetzt besonders sauber oder dreckig war, kann sie nicht sagen. „Toilette ist eben Toilette“, findet sie. Aber die fehlende Tür: „Das geht gar nicht.“ Männer können das auf der Rückseite liegende Pissoir nutzen. Für Frauen und Rollstuhlfahrer gibt es allerdings aktuell keine Alternative. Dann doch besser ganz zu machen, so die Meinung der meisten Fahrgäste.

Die Tür in der Toilette fehle schon seit Wochen, sagt Anni Anacker, die ebenfalls in der Nähe wohnt, Mitglied im Ortsbeirat Fasanenhof ist und sich seinerzeit dafür eingesetzt hat, dass die Stadt an der Haltestelle eine Toilette errichtet. Die einzige im Stadtgebiet, die das ganze Jahr über kostenfrei zugänglich ist. Zwei Anwohner hätten sich bei ihr über den Defekt beschwert, berichtet Anacker. Sie fürchteten, dass sich nun die Fahrgäste in den Büschen vor den Wohnhäusern erleichtern. Genau deshalb habe sie damals für eine Toilette an der Haltestelle gekämpft. Sie habe unverzüglich bei der Stadt wegen des Missstands angerufen, bisher habe sich aber nichts getan.

Reparatur der Tür unwirtschaftlich

Die Fahrgäste an der Wendeschleife werden wohl noch länger auf die Tür für das „stille Örtchen“ warten müssen: Die öffentlichen Toiletten würden durch einen externen Dienstleister gepflegt, teilte die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Dieser Dienstleister habe zunächst vorgehabt, die Tür zu reparieren. Das habe sich aber als unwirtschaftlich erwiesen. Eine neue Tür habe Lieferfristen, deshalb sei vor April nicht mit der Erneuerung zu rechnen. Sorge, dass die Toilette bei Kälte einfrieren könnte, hat die Stadt nicht. Die Wasseranschlüsse befänden sich in einem separaten, beheizten Technikraum. Immerhin: Damit ist die Eiszapfen-Sorge auf dem Präsentierteller schon mal unbegründet.

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