Donnerstag wird vor dem Kasseler Landgericht das Urteil im Savasci-Prozess verkündet

Urteil im Savasci-Prozess: Bekommt er lebenslang?

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Lebenslang oder fünf Jahre? Angeklagt ist der 51-jährige Mann aus Maintal wegen des Mordes an seiner Schwester Mehtap Savasci. Seine Verteidiger Sven Schoeller (Kassel) und Gabriele Steck-Bromme (Frankfurt) haben im letzten Plädoyer eine Verurteilung wegen Freiheitsberaubung mit Todesfolge beantragt, wobei die Strafe nicht höher als fünf Jahre ausfallen sollte.

Kassel. „So einfach ist das nicht, wie die Staatsanwaltschaft sagt, einen Menschen zu töten“, sagte der 51-jährige Angeklagte aus Maintal am vergangenen Freitag in seinem bereits zweiten „Letzten Wort“ vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts.

Einen Menschen, „dem man die Windeln gewechselt und zur Schule gebracht hat“.

Laut Anklage hat der Angeklagte seine zehn Jahre jüngere Schwester Mehtap Savasci am 7. Oktober vergangenen Jahres in Kassel entführt und anschließend mit zwei Schüssen getötet. Am Donnerstagmittag um 13 Uhr soll das Urteil im Saal D 130 verkündet werden.

Hier Fragen und Antworten rund um den Fall Mehtap Savasci

Dass der Angeklagte mit dem Tod seiner Schwester etwas zu tun hat, das haben seine beiden Verteidiger in den Plädoyers, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten worden sind, bereits eingeräumt. Allerdings sehen sie keine ausreichenden Beweise für eine Verurteilung wegen Mordes.

Es gebe alternative Sachverhalte, die näher liegen als die von der Staatsanwaltschaft vorgegebene Mordversion, so der Kasseler Anwalt Sven Schoeller. Er sei gleichwohl nach der Beweisaufnahme zu dem Ergebnis gekommen, dass sein Mandant eine Verantwortlichkeit für das Tatgeschehen trage. Aufgrund der Auswertung der Handyverbindungen des Angeklagten sei es nicht von der Hand zu weisen, dass der Mann am 7. Oktober vergangenen Jahres nach Kassel zur Wohnung seiner Schwester Mehtap Savasci gefahren sei.

Nachdem nach den ersten Plädoyers die Beweisaufnahme in dem Verfahren wieder aufgenommen worden war, hat Schoeller beim zweiten Plädoyer vergangenen Freitag beantragt, seinen Mandanten wegen Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu verurteilen. Die Strafe solle aber nicht über fünf Jahre liegen.

Ein anderer Mörder?

Diese Strategie impliziert allerdings, dass eine andere Person Mehtap getötet haben muss. Der Angeklagte, der während des gesamten Prozesses nichts zu den Vorwürfen gesagt hat, hatte bereits in seinem ersten „Letzten Wort“ bestritten, seine Schwester getötet zu haben. „Ich könnte Y. (Name seiner Nichte) nicht mehr in die Augen schauen, wenn ich die zwei Schüsse abgegeben hätte.“

Er sagte seiner Nichte aber nicht, wer sein Komplize beziehungsweise seine Komplizin gewesen sein soll. Er sagte seiner Nichte nicht, wer die Schüsse auf ihre Mutter abgegeben haben soll.

Das Opfer: Die 40-jährige Mehtap Savasci wurde am 7. Oktober 2014 entführt und anschließend getötet.

Ins Visier der Kriminalpolizei waren am Anfang der Ermittlungen auch der jüngere Bruder des Angeklagten, sein Schwiegersohn sowie derGeliebte von Mehtap Savasci geraten. Der Bruder des Angeklagten hatte für den Zeitpunkt der Entführung ein Alibi von einer Freundin, bei der er die Nacht verbracht hatte, und der Geliebte ein Alibi von seiner Ehefrau bekommen. Der Schwiegersohn des Angeklagten soll sich am 7. Oktober 2014 noch in der Türkei aufgehalten haben.

Der Vorsitzende Richter Volker Mütze hatte kürzlich den rechtlichen Hinweis gegeben, dass in diesem Verfahren neben einer Verurteilung wegen Mordes auch eine Verurteilung wegen Freiheitsberaubung mit Todesfolge oder Totschlags in Betracht kommen könnte.

Wir berichten am Donnerstagmittag auf Kassel Live, sobald das Urteil verkündet worden ist.

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