Kasseler lassen sich häufiger scheiden als alle anderen Hessen

Kassel. Viele Kasseler warten nicht, bis der Tod sie scheidet: In Kassel stieg die Zahl der Scheidungen im vergangenen Jahr – entgegen dem Landestrend – um 13 Prozent an. Meist sind es Frauen, die die Ehe beenden.

Während hessenweit die Quote sogar um 1,3 Prozent sank, sind in Kassel nach Angaben der Stadt so viele Ehen zerbrochen wie zuletzt vor fünf Jahren.

Damit näherte sich 2011 die Zahl der Scheidungen von einst in Kassel geschlossenen Ehen (559), jener der Trauungen (869) an. Das Phänomen beschränkt sich aber nicht allein auf die Stadt. Eine Statistik des Amtsgerichtes Kassel, das die Scheidungsanträge aus der Stadt und dem Landkreis Kassel bearbeitet, spricht eine ähnliche Sprache: Beim Amtsgericht sind die Scheidungsanträge mit 1328 ebenfalls auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren angekommen.

Meistens sind es Frauen, die die Scheidung einreichen. Dies liege daran, dass Männer länger bereit sein, sich in einer zerrütteten Beziehung zu arrangieren, sagt Ute Zöllner von der psychologischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes. Trennungsberaterin Cornelia Krey von Pro Familia in Kassel nennt mangelnde Kommunikation als Hauptursache für Scheidungen.

Häufig gehe die Ehe mit dem Beginn einer neuen Lebenssituation in die Brüche. Dies könne etwa die Geburt des ersten Kindes sein, die für viele Frauen einen Karriereknick bedeute. Aber auch der Auszug der Kinder könne Anlass sein. Nicht selten falle Partnern dann eine Entfremdung auf, die sich zwar lange abgezeichnet habe, durch die elterliche Verantwortung aber nicht zu Tage getreten sei. Weitere Trennungsgründe seien Suchtprobleme des Partners, Gewalt in der Beziehung und mangelnde Sexualität.

In Sachen Sex komme die Kritik immer häufiger auch von Frauen. „Das Klischee der Frau, die weniger Lust hat als der Mann, stimmt nicht. Wegen der hohen Berufsbelastung nimmt die Lust bei vielen Männern ab“, sagt Krey.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © dpa

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