Teilverlagerung nach Mannheim

Kasseler Lokbauer bangen weiter um ihren Standort

Markus Hohmann

Die Zukunft des Kasseler Bombardier-Lokwerks ist weiter offen. Wie es weitergeht, soll erst Ende Juni entscheiden werden.

In einer Sitzung des Aufsichtsrats am gestrigen Freitag, in der sich das Gremium mit neuen Standortkonzepten beschäftigt hat, sind keine Entscheidungen gefallen. Dies soll nun in der nächsten Sitzung am 29. Juni geschehen. Wie berichtet, plant der kriselnde deutsch-kanadische Bahntechnik-Hersteller den Abbau von 5000 der weltweit 34 000 Stellen. Allein am größten deutschen Standort, Hennigsdorf bei Berlin, könnten 900 der 2500 Stellen wegfallen.

Mögliche Verlagerung

Kassel bangt derweil um die mechanische Konstruktion und den Einkauf, die bis 2020 nach Mannheim verlagert werden könnten. Davon wären 143 der gut 700 Beschäftigten betroffen. Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied Markus Hohmann erklärte auf HNA-Anfrage, dass dieser Punkt nicht beraten worden sei. Man habe sich aber darauf verständigt, dass es in Kassel nach Möglichkeit keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle. Branchenkenner bezweifeln, dass die Betroffenen bereit sind, nach Mannheim zu wechseln.

Der Abbau der mechanischen Konstruktion wäre ein schmerzlicher Kompetenzverlust. Kassel wäre dann ein reiner Produktionsstandort, der relativ leicht verlagert werden könnte. Die Beschäftigten befürchten ein Ende des Standorts auf Raten.

In der Branche gilt als sicher, dass Bombardier große Veränderungen ins Haus stehen. Spekuliert wird, dass entweder der deutsche Konkurrent Siemens oder der chinesische Großkonzern CRRC die Bahnsparte übernimmt. CRRC ist der mit Abstand größte Bahntechnik-Anbieter der Welt und steht kurz vor dem Kauf des tschechischen Wettbewerbers Skoda Transportation. Damit wird der Eintritt in den europäischen Markt besiegelt. Auch dem großen Münchner Bahnzulieferer Knorr-Bremse und dem Schweizer Stadler-Konzern werden Ambitionen nachgesagt.

Sollte Siemens unter kartellrechtlichen Auflagen zum Zuge kommen, stellt sich die Frage, was dann mit der Kasseler Traxx-Lok-Plattform passiert. Denn Siemens hat eine eigene, derzeit sehr erfolgreiche Lokfamilie namens Vectron. Branchenkenner erwarten, dass die Traxx-Technologie dann aufgegeben würde.

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