Staatsbahn bestellt 62 Zugmaschinen und sichert sich Option auf 32 weitere

62 Kasseler Loks für Israel

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Volle Halle: Die Kasseler Bombardier-Lokbauer haben wieder ordentlich zu tun. Ein neuer, wichtiger Auftrag aus Israel sichert die Produktion im Werk Mittelfeld weiter. Die Lieferung nach Israel soll 2017 starten.

Kassel. Wichtiger Auftrag für die Kasseler Lokbauer: Wie der Bahntechnik-Hersteller Bombardier mitteilte, hat die staatliche Israel Railways (ISR) 62 elektrische Zugmaschinen aus der bewährten Traxx-Familie geordert.

Der Auftragswert beläuft sich nach Unternehmensangaben auf 230 Millionen Euro. Die ersten Lokomotiven sollen Ende 2017 ausgeliefert werden. Für weitere 32 Loks haben sich die Israelis eine Option gesichert. Sie werden künftig mit bis zu 160 Stundenkilometern Bombardier-Doppelstockwagen durchs Land ziehen, die dort bereits im Einsatz sind.Mit den neuen Lokomotiven aus Kassel setzt Israel die Elektrifizierung seines Schienennetzes fort. „Die Umstellung wird in allen Bereichen ein bedeutender Schritt nach vorn und ein Schlüsselfaktor für das künftige Wachstum von Israel Railways sein“, sagte der ISR-Vorstandsvorsitzende Boaz Tzafrir. Bombardier-Vertriebschef in Israel, Yossi Daskal, erklärte: „Wir fühlen uns geehrt, dass wir für diesen Auftrag gewählt wurden.“

Das dürfte kein Zufall sein, denn die Kasseler Loks aus dem Traxx-Baukasten sind seit Jahren in großer Zahl in ganz Europa unterwegs. Sie gehören zu den zuverlässigsten und modernsten weltweit.

Der Auftrag aus Nahost trägt zur Sicherung des Standorts und der Beschäftigung in Kassel bei, wo aktuell 820 Menschen für den deutsch-kanadischen Konzern arbeiten. Das Werk, das im Zuge der Finanzkrise in ein tiefes Auftragsloch gefallen war, ist seit dem vergangenen Jahr, als fast 100 Loks die Hallen im Werk Mittelfeld verließen, gut ausgelastet. In diesem Jahr sollen es sogar 111 Zugmaschinen werden.

Grund für die große Nachfrage nach Loks aus Kassel sind vor allem auch technische Neuerungen, wie sie bislang nur Bombardier bietet. Die AC3-Lok beispielsweise hat neben ihrem regulären Antrieb ein kleines Kraftwerk an Bord, um in nicht elektrifizierten Bahnnetzen in großen Industrieanlagen die Waggons auf der „letzten Meile“ ziehen zu können. Das erspart teure und zeitaufwendige Lokwechsel am Werkstor. Die Bahn will bis zu 450 dieser Zugmaschinen abnehmen.

Eine weitere Neuheit ist die Multi-Engine-Lok, die nicht einen großen, sondern vier kleine, intelligent gesteuerte Motoren hat. Sie werden im Bedarfsfall beliebig zu- und abgeschaltet. Das spart Energie und schont die Umwelt. Die Bahn plant langfristig mit bis zu 200 dieser Loks.

Stark gefragt sind zudem Lokomotiven, die ohne Wechsel in allen europäischen Netzen mit unterschiedlichen Stromarten, -.stärken und -abnehmern sowie variierenden Frequenzen und Zugsicherungsystemen verkehren können, was teure Lokwechsel an den Grenzen überflüssig macht.

Von José Pinto

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