Unterstützung für Hartz-4-Empfänger gefordert

Kasseler Mädchenhaus kämpft gegen Periodenarmut - Petition an den Bundestag

Tampons und Binden für alle: Mimi Lindgren sammelt im Mädchenhaus gemeinsam mit dem Verein Periodensystem Hygieneprodukte und verteilt sie weiter an Menschen, die sich diese nicht leisten können.
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Tampons und Binden für alle: Mimi Lindgren sammelt im Mädchenhaus gemeinsam mit dem Verein Periodensystem Hygieneprodukte und verteilt sie weiter an Menschen, die sich diese nicht leisten können.

Die Kasseler Mimi Lindgren kämpft gegen Periodenarmut und möchte das Thema Menstruation enttabuisieren. Deshalb hat sie eine Petition im Bundestag eingereicht.

Kassel – Sie sind Mitte 20 und wissen nichts von Tampons: Immer wieder sitzen Mimi Maelene Lindgren im Mädchenhaus an der Annastraße Mädchen und Frauen gegenüber, die denken, Menstruationsprodukte wie Tampons schaden dem Körper. „Sie fangen das Blut mit Taschentüchern auf, aus Angst, mit Tampons ihr Jungfernhäutchen kaputtzumachen“, schildert die 29-Jährige.

Fehlende Aufklärung sei ein Grund dafür. „Es wird zu wenig über Menstruation gesprochen“, sagt Lindgren. „Wenn jemand niest und Flüssigkeit verliert, hat damit niemand ein Problem. Wenn unten Blut rauskommt, schon.“ Deshalb höre sie bei ihren Nachfragen in Klientengesprächen oft: „Das hat mich ja noch nie jemand gefragt.“

Das Menstruationstabu, sagt Mädchenhaus-Geschäftsführerin Steffi Burmester, ist ewig ein Thema. Aber: „In den 1990er-Jahren war der Umgang damit lockerer. Jetzt gibt es wieder eine rückläufige Entwicklung hin zur Tabuisierung.“

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die finanzielle Situation vieler Mädchen und Frauen, darunter etwa auch Studentinnen. Stichwort: Periodenarmut. Von der spreche man, wenn sich eine Person Periodenprodukte nicht finanzieren kann. „Niemand sollte sich seine Menstruation leisten können müssen“, sagt Lindgren. Deshalb hat sie am Mittwoch eine Petition im Bundestag eingereicht – kurz vor dem Tag der Menstruation am 28. Mai.

Darin fordert sie, für Menstruierende, die Leistungen über das SGB II beziehen, „einen generellen Mehrbedarf zusätzlich zum Regelsatz anzuerkennen, um die monatlichen Kosten für Binden, Tampons, Schmerzmittel und Slipeinlagen zu decken“. Genauer gesagt: sieben Euro im Monat, antragsfrei.

Menstruation, sagt sie weiter, sei ein biologisches Phänomen und nichts, wofür sich eine Frau entscheide. „Für sieben Euro fragt sich eine Hartz-4-Empfängerin, ob sie drei Mahlzeiten oder eben Binden kauft“, sagt Lindgren. Zwar sei immerhin die Mehrwertsteuer für Tampons vergangenes Jahr von 19 auf 7 Prozent gesenkt worden. „Jetzt werden sie aber immer noch genauso besteuert wie das Luxusprodukt Trüffel.“ Außerdem seien die Preise gestiegen.

Um mehr Reichweite zu bekommen, kooperiert das Mädchenhaus mit dem Berliner Verein Periodensystem. Über dessen Spendenaufruf seien nun auch in Kassel kartonweise Tampons und Binden gelandet, die jetzt verteilt werden.

Sie hätte sich nicht erträumen lassen, einmal Menstruationsaktivistin zu werden, sagt die Studentin der Sozialen Arbeit. Das hatte auch mit ihrer Geschichte zu tun: Aufgrund einer Erkrankung wurden ihr Gebärmutter und Eierstöcke entnommen: „Eine normale Menstruation ist kein Tabu, sondern ein Zeichen, dass im Körper alles richtig läuft.“ (Anna Lischper)

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