Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause äußert Zweifel an der Qualität der Ausbildung

Kasseler Medizin-Uni: Kritische Töne aus Marburg

Mangelware: Es werden mehr junge Mediziner benötigt, als die staatlichen Hochschulen jedes Jahr verlassen. Unser Bild zeigt die Ausbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover. Foto: dpa

Kassel. An der Philipps-Universität Marburg stoßen die Kasseler Pläne für eine Medizin-Uni auf wenig Gegenliebe. Nach einer Präsidiumssitzung am Dienstag, in der das Vorhaben des Klinikums Kassel Thema war, äußerte sich Uni-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Krause kritisch.

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In einer Presseerklärung machte sie indirekt ihre Zweifel an der Qualität der Kassel School of Medicine deutlich, die 2013 die ersten Studenten aufnehmen soll. Bislang ist das Klinikum Kassel ein akademisches Lehrkrankenhaus der Marburger Hochschule.

Auslöser für die Reaktion aus Marburg war die Kooperation, die das Klinikum Kassel vergangene Woche mit der Universität Southampton für die Kasseler Medizinerausbildung geschlossen hatte. Hintergrund für die Gründung ist der Medizinermangel, dem die Kasseler Klinik mit einer eigenen Ausbildung begegnen will.

Dr. Katharina Krause

„Die Marburger Mediziner können nach dem Staatsexamen für die Station als Arzt im Praktikum zwischen vielen Angeboten, gerade auch im Ausland, wählen. Dass das Klinikum in Kassel hier offenbar nicht mehr konkurrieren konnte oder wollte, ist aus unserer Sicht bedauerlich“, sagte Prof. Krause. Es habe dazu geführt, dass in Kassel ein Mangel an kostengünstigen Nachwuchskräften entstanden sei. Dass dies zu einer Kooperation mit Southampton geführt habe, die Studienplätze mit nicht geringen Gebühren erzeuge, sei bemerkenswert.

„Die Medizinerausbildung an den staatlichen Universitäten zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf aktueller medizinischer Forschung beruht. Diese aufwendige und lange Ausbildung unterliegt einer ständigen Qualitätssicherung durch die Universitäten, Länder und den Wissenschaftsrat. Sie wird auf die Ausbildung in Kassel nicht angewendet“, sagte die Uni-Präsidentin Krause.

Auch zu den Folgen für die Honorarprofessuren mehrerer Mediziner des Kasseler Klinikums an der Uni in Marburg äußerte sich Krause: Sie lobte die Dozenten als „hochqualifizierte Kliniker“. Allerdings sei nach der Aufnahme des Lehrbetriebs in Southampton und in Kassel zu prüfen, ob die betroffenen Mediziner noch Lehrveranstaltungen in Marburg anbieten. Im negativen Fall müsse ihnen der Professorentitel entzogen werden.

Ein Problem sehen die staatlichen Hochschulen auch in den Studiengebühren, die Einrichtungen wie die Kassel School of Medicine erheben. Damit umgingen öffentliche Institutionen wie das Kasseler Krankenhaus die Studiengebührenfreiheit.

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