Im Kasseler Naturkundemuseum wird der 100 000. Besucher im Jahr 2010 erwartet

Fantasievoll: Die Damentoilette im Naturkundemuseum befindet sich in einer Dschungel-Atmosphäre.

Kassel. Dieses Museum hat es in sich. Es überrascht und macht Spaß - bis in den letzten Winkel hinein. Sogar der Gang zur Toilette gestaltet sich als ein kleines geografisches Abenteuer. Die Damen werden in eine Dschungellandschaft geführt, während sich die Männer in einer Savanne wiederfinden.

„Die alten, tristen Toiletten haben mich immer gestört“, sagt Direktor Dr. Kai Füldner: „Als mein Team und ich ein wenig Luft hatten, haben wir sie umgestaltet. „Ganz ohne wissenschaftlichen Anspruch.“

So ruhig und zurückhaltend er auch auftritt, Kai Füldner ist ein energiegeladener Macher. Sprudelnde Ideen, Tatkraft und Freude an der Arbeit charakterisieren den 45-Jährigen. Seit sechs Jahren leitet der promovierte Forstwissenschaftler die Geschicke des Naturkundemuseums. Parallel dazu wachsen die Besucherzahlen im Haus, das sich einst nur mit historischen Beständen wie Goethe-Elefant und Schildbach’scher Holzbibliothek einen Namen machte.

Was auffällt, ist Füldners Enthusiasmus. „Was? Sie haben die Sonderausstellung noch nicht gesehen? Dann kommen Sie mal mit.“ Obwohl Samstag ist und auch der Direktor frei hätte, obwohl er gesundheitlich angeschlagen ist und ein privater Termin auf ihn wartet, führt er schnell durch die Evolutionsschau. Vorbei geht es an Schädeln der aufrecht gehenden menschlichen Vorgänger, an Schaulandschaften, in denen „Lucie“ platziert ist, deren drei Millionen Jahre alte Überreste 1974 in Äthiopien gefunden wurden, und an Mitmach-Ecken, wo ausprobiert werden kann, wie man mit Feuersteinen Leder schneidet.

Flugreptilien

„Und das hier ist wirklich sensationell“, sagt Füldner. Seiner Begeisterung kann man sich nicht entziehen. „Diese Zwerg-Menschenart, die parallel zum Homo sapiens gelebt hat und deren Spuren man auf Indonesien gefunden hat, ist erst vor 12 000 Jahren ausgestorben.“

Füldner führt durchs Haus und verrät seine Pläne. Im Februar wird die Daueraustellung Eiszeitlandschaft eröffnet. Sein Team hat daran zwei Jahre lang gefeilt. Danach ist schon die nächste Epochen-Baustelle in Planung. In Füldners Vorstellung schwirren bereits die Flugreptilien durchs Baumszenario.

Die Grenzen zwischen einem, der Freude am Beruf hat, und einem Workaholic dürften bei Füldner fließend sein. Während der Mumien-Ausstellung sei er auf so manche 60-Stunden-Woche gekommen, erzählt er und fügt eilig hinzu: „Natürlich mache ich das nicht ständig.“

Die Besucher danken es ihm. „Wir sind echte Fans“, sagt Anita Ghwila (31) aus Kassel. Mindestens jede neue Ausstellung besuche sie mit ihrem vierjährigen Sohn David. „Der macht Druck und fragt ständig: Mama, wann gehen wir wieder ins Museum?“

Von Christina Hein

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