Yozgat-Anwalt: Auch Bäckerei stand auf Liste der Terroristen

Kasseler Neonazi Bernd T. als Zeuge im NSU-Prozess?

Halit Yozgat ist am 6. April 2006 in seinem Internet-Café in der Holländischen Straße in Kassel erschossen worden.

Kassel. Der bekannte Kasseler Neonazi Bernd T. hat möglicherweise etwas mit dem Mord an Halit Yozgat zu tun. Das vermutet der Hamburger Rechtsanwalt Thomas Bliwier.

Er vertritt im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere Unterstützer des nationalsozialistischen Untergrunds die Familie Yozgat.

Bernd T., der in Kassel die Neonazi-Gruppe „Sturm 18“ gegründet hat, soll deswegen als Zeuge im NSU-Prozess gehört werden, fordert Anwalt Bliwier. Das Münchener Oberlandesgericht hat darüber aber noch nicht entschieden.

Halit Yozgat ist am 6. April 2006 in seinem Internet-Café in der Holländischen Straße in Kassel erschossen worden.

Halit Yozgat war am 6. April 2006 inseinem Internet-Café in der Holländischen Straße in Kassel erschossen worden. Täter sollen die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sein, die sich inzwischen selbst getötet haben. Der Kasseler Bernd T., so Anwalt Bliwier, könne als Zeuge vor Gericht Kontakte der Terroristen zu anderen Kasselern nennen.

Insbesondere gehe es um eine verschlüsselte Datei in den Gerichtsakten des Münchener Oberlandesgerichts. Diese Datei befindet sich auf einer Festplatte von Bernd T. und habe als Titel einen türkischen Frauennamen. Dabei handelt es sich um die Inhaberin einer Bäckerei in der Holländischen Straße. Die Adresse der Bäckerei, so Anwalt Bliwier, tauchte ebenso wie die von Yozgats Internetladen in den Listen der NSU als mögliche Anschlagsziele auf.

Die Bundesanwaltschaft geht aber davon aus, dass die NSU-Terroristen ihre insgesamt zehn Morde allein begangen haben. Bernd T. war schon im Zusammenhang mit den NSU-Anschlägen vernommen worden. Die Polizei hielt seine Aussagen für nicht stichhaltig.

Bernd T. hat bereits mehrere Haftstrafen abgesessen. 1993 hatte er in Bad Segeberg einen Obdachlosen zu Tode geprügelt. Zurzeit läuft vor dem Kasseler Landgericht ein Prozess gegen ihn, weil er seiner schwangeren Freundin in den Bauch getreten haben soll. Bernd T. sitzt aktuell im Gefängnis.(tho/dpa)

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