Nordstadt: Mieter der Friedrich-Wöhler-Siedlung klagen über Hausverwaltung

Unansehnlich: Entlang der Keplerstraße sind die Häuser weiß getüncht, doch im Hinterhof zeigen sie ihr wahres Gesicht. Fotos: Herzog

Nord-Holland. Vorne hui, hinten pfui: Der Häuserblock an der Keplerstraße in der Friedrich-Wöhler-Siedlung sieht wegen seines Anstrichs von vorn noch ganz ansehnlich aus. Aber im Hinterhof zeigt er sein wahres Gesicht.

HeidemarieKief

„Die Häuser sind in keinem guten Zustand“, sagt Ingo Sprakel vom Quartiersmanagement der Nordstadt. Seit Jahrzehnten sei nichts daran gemacht worden. Die Wohnungen seien schlecht isoliert, die Heizkörper uralt, die Sanitäranlagen veraltet und die Fenster nur einfach verglast. Das alles führe dazu, dass die Mieter zwar eine preiswerte Wohnung hätten, aber meist eine saftige Nachzahlung am Ende der Heizperiode erhielten.

Für die Bewohner der Siedlung, von denen die meisten Transferleistungen beziehen, sei dies eine Katastrophe, sagt Sprakel. Auf Beschwerden werde nicht geantwortet, Mängel in den Wohnungen nicht unverzüglich beseitigt. Überhaupt sei die Verwaltung - das ist der Centerra Immobilienservice in Berlin - schlecht oder gar nicht erreichbar, sagt Sprakel.

Die Mieter in dem sozialen Brennpunkt seien meist überfordert. Es würden sehr schnell Mahnverfahren verfügt, sagt Sprakel. In mehr als 20 Fällen seien Rechtsstreitigkeiten anhängig. Der Kasseler Rechtsanwalt Rainer Brinkmeier vertritt die Mieter. Er moniert, dass Betriebskosten nicht richtig abgerechnet werden, insbesondere Müll und Hausmeisterkosten. Weitere Themen seien angebliche Mietrückstände und Mängel in den Wohnungen wie undichte Fenster oder Schimmelschäden wegen Kältebrücken. „Ich habe den Eindruck insbesondere beim Mahnwesen, dass dort die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut“, sagt Brinkmeier. Störend sei auch, dass ständig die Hausmeister wechselten, die wichtige Ansprechpartner für die Mieter seien.

Die Vorsitzende des Mieterbeirats der Wöhlersiedlung, Heidemarie Kief, erinnert sich gerne an alte Zeiten zurück: Als die Häuser an der Keplerstraße noch der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GWH gehörten. „Da hingen noch Zettel in den Schaukästen mit Firmen, die man eigenhändig anrufen konnte, wenn es in der Wohnung ein Problem gab“, erinnert sie sich.

Jetzt seien die Durchlauferhitzer ständig defekt, und es dauere sehr lange, bis sie repariert würden.

Im Winter seien die Gehwege schlecht gestreut. „Ich bin im vergangenen Winter gestürzt und habe mir das Bein gebrochen. Seither kann ich schlecht laufen.“

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