Nachfrage ist groß

Kasseler Notstrom-Aggregate sind heimliche Stars

Schwergewicht für ein Klärwerk: Diese Spezialanfertigung ist sogar mit einem Kran zum Auswechseln von großen Pumpen ausgestattet. Unser Foto zeigt Stefan Ruf (links) und Polyma-Geschäftsführer Dirk Richard. Foto: Schachtschneider

Kassel. Viele der Anlagen der Kasseler Polyma Energiesysteme GmbH stehen die meiste Zeit nur herum. Aber wenn sie zum Einsatz kommen, retten sie häufig Leben und Güter.

Denn die Notstromaggregate aus Nordhessen versehen ihren Dienst in Krankenhäusern und Tiefgaragen, in Einkaufs- und Kühlzentren, in wichtigen öffentlichen Einrichtungen, Industriebetrieben und Großbanken. Kaum auszudenken, wenn in der Klinik der Strom ausfällt, ein Kühlhaus ohne Energieversorgung dasteht oder auf einer Großveranstaltung die Lichter ausgehen und Panik ausbricht.

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Aber das sind bei Weitem nicht alle Einsatzgebiete der mobilen und stationären Schwergewichte aus Kassel. Feuerwehren, Katastrophenschützer und Polizei in Deutschland, Europa und Übersee setzen auf die zuverlässigen, kompakten Schwerarbeiter, die für diesen Kundenkreis meist mit ausfahrbaren Flutlichtanlagen ausgestattet werden. Erst unlängst waren 20 mobile Stromerzeuger aus Kassel in Slowenien im Einsatz, als das Land in den Fluten unterzugehen drohte. Und vor Kurzem brachten die Kasseler Spezialisten nachts ein Leihaggregat nach Frankfurt, um die nach einem Schaltschrank-Brand zusammengebrochene Stromversorgung in einem großen Einkaufszentrum wiederherzustellen. Ein weiterer großer Kundenkreis sind Stadtwerke und andere Energieversorger. Wenn sie Trafos oder Umspannwerke warten, reparieren oder auswechseln müssen, sorgen die Anlagen für Strom.

Die bis zu 1,5 Megawatt starken und 18 Tonnen schweren Notstromaggregate aus Kassel sind vielfach Unikate - das heißt: individuell auf den Kunden zugeschnittene Einzelstücke. Von der Stange gibt es bei Polyma nichts. Zehn Anlagen desselben Typs sind für die Notstromspezialisten in Waldau schon eine Serie.

Aber genau diese Individualisierung ist die Stärke des zur Waitz-Gruppe (siehe Hintergrund) gehörenden Unternehmens. „Wir bauen, was der Kunde verlangt“, sagt Geschäftsführer Dirk Richard. Die Kundenbindung sei sehr stark. Polyma verkaufe das Produkt nicht nur, sondern schule und weise die Anwender ein und stelle den Kundendienst - rund um die Uhr.

40 000 bis 250 000 Euro kosten die Schätzchen aus Kassel, die auf Anhängern in allen Größen oder wahlweise als Container geliefert werden. Nahezu alles machen die Polyma-Profis selbst: Anhänger, weil es am Markt keine gibt, die so schwere Lasten tragen können, Container, weil jeder anders ist. Da wird gesägt, gedreht, gefräst und geschweißt und danach verkabelt, montiert, auf dem Prüffeld getestet. Die Fertigungstiefe ist ungewöhnlich hoch.

Um die Zukunft ist Richard nicht bange. Das Geschäft laufe gut, und das Potenzial sei riesig. Vor allem mit Blick auf die Energiewende. Wenn Sonne und Wind keinen Strom lieferten, müssten zunehmend Aggregate wie die von Polyma ran. Und zwar nicht nur zur Stromerzeugung selbst, sondern vor allem auch zur Netzstabilisierung. „Da kommt noch jede Menge Arbeit auf uns zu“, stellt der Geschäftsführer zuversichtlich fest.

In unserer nächsten Folge geht es um die Firma Technoform Glass Insulation. Sie stellt Fensterkomponenten her.

Familie Waitz von Eschen seit 270 Jahren unternehmerisch aktiv

Unter dem Dach der Unternehmensgruppe Freiherren von Waitz haben die Gesellschafter Hans-Sigismund, Dr. Friedrich sowie Harald Freiherr Waitz von Eschen ihre unternehmerischen Aktivitäten im Maschinenbau, in Land- und Forstwirschaft sowie im Immobiliensektor gebündelt. Zur Maschinenbausparte gehört neben Polyma auch die Uniflex-Hydraulik-Gruppe in Frankfurt, die Anlagen und Pressen für die Schlauchfertigung herstellt.

Die Land- und Forstwirtschaft bilden im wesentlichen die Ländereien Emmerichshofen bei Kahl am Main (Kreis Aschaffenburg) sowie die Güter Winterbüren bei Fuldatal-Rothwesten und Waitzrodt bei Immenhausen. Hinzu kommen diverse Immobilien in Kassel und Frankfurt. Die Waitz-Gruppe beschäftigt gut 200 Mitarbeiter, setzt jährlich rund 40 Mio. Euro um und investiert nur in nachhaltige Projekte.

Die Familie Waitz von Eschen stammt ursprünglich aus Gotha und Schmalkalden in Thüringen und ist in achter Generation seit 270 Jahren unternehmerisch tätig. Keimzelle war der Bergbau. So betrieb sie bis 2002 das Braunkohlebergwerk in Großalmerode im Werra-Meißner-Kreis.

Die Waitz-Gruppe hat die damals insolvente Polyma 2005 übernommen und 2008 neu gebaut. Damals hatte das Unternehmen 65, heute mehr als 100 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei rund 14 Millionen Euro. (jop)

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