Nato-Partner will den Boxer

Kasseler Panzerbauer rüsten Australier auf

Kassel. Australien entwickelt sich zu einer der wichtigsten Märkte für deutsche Heerestechnik. Bei der Modernisierung der Armee sollen vor allem deutsche Hersteller helfen.

Nach der Bestellung von 2217 MAN-Militär-Lkw für 900 Millionen Euro bei der Rheinmetall-Tochter RMMV im Sommer vergangenen Jahres erwartet der Düsseldorfer Konzern in absehbarer Zukunft einen Auftrag über 211 Radpanzer des Typs Boxer. Hier stehen die Vertragsverhandlungen noch aus. Darin wird auch festgeschrieben, wie die Produktionskontingente zwischen den Partnern Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW/Kassel/München) einerseits und Deutschland und Australien andererseits aufgeteilt werden.

Der Rheinmetall-Standort Kassel profitiert in beiden Fällen. Für die Lkw liefern die Kasseler Rüstungsspezialisten im Werk Mittelfeld wichtige Komponenten, darüber hinaus auch die Aufbauten für 130 riesige, fünfachsige Panzer-Abschleppfahrzeuge.

Umfangreiches Paket

Und auch beim Boxer haben die Kasseler ihre Hände im Spiel. Denn Prototypen beziehungsweise eine Vorserie dürften in Nordhessen gebaut werden. Den Großteil allerdings wollen die Australier in enger Zusammenarbeit mit Rheinmetall selbst montieren. Kassel dürfte nicht nur wichtige Entwicklungsarbeit sowie personelle und logistische Unterstützung leisten, sondern auch australische Kollegen schulen und später Schlüsselkomponenten ins dortige Werk liefern. Eine davon ist der so genannte Lance-Turm, ein neuartiges Produkt aus dem Baukasten, dass beliebig an Kundenwünsche angepasst werden kann.

Der deutsche Wertschöpfungsanteil – also der Wert des hiesigen Beitrags zu dem Zwei-Milliarden-Euro-Projekt – könnte bei bis zu 50 Prozent liegen. Darin enthalten wäre dann auch der Anteil des Partners KMW, der den Boxer allerdings in München baut. Rheinmetall beschäftig in Kassel rund 1000, KMW 1400 Mitarbeiter. Beide Standorte sind Schlüsselwerke in den jeweiligen Produktionsverbünden.

Der Boxer, der dank seiner modularen Bauweise in zahlreichen Varianten unterschiedlich eingesetzt wird, gilt vor allem mit Blick auf die Sicherheit der Soldaten als weltweit bestes Fahrzeug seiner Art.

Die Entscheidung Australiens als einer der wichtigesten Verbündeten der Nato zugunsten eines deutschen Produkts ist umso bemerkenswerter, als das Land aus der Commonwealth-Historie heraus eher britischen Rüstungserzeugnissen zugewandt war. Deshalb stehen die Chancen gut, dass die deutschen Hersteller auch bei einer für 2022 geplanten Ausschreibung über 450 Panzer zum Zuge kommen.

Geradezu spektakulär wäre der Zuschlag Großbritanniens für den Boxer oder ein anderes deutsches Produkt. Ein entsprechendes Beschaffungsverfahren zur Modernisierung der Landstreitkräfte des Inselstaats läuft. Rheinmetall und KMW rechnen sich mit dem Boxer gute Chancen aus.

Die Australier sind unterdessen dabei, ihre Land-, Luft- und Seestreitkräfte von Grund auf zu modernisieren. Umgerechnet 127 Milliarden Euro wollen sie dafür in den nächsten Jahrzehnten in die Hand nehmen. Grund sind nicht nur die zunehmenden Friedenseinsätze im asiatisch--pazifischen Raum, bei denen Australien oft eine führende Rolle einnimmt, sondern auch die wachsenden Gebietsansprüche Chinas in jener Region.

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