Halit-Platz wird umgebaut - Neuer Name ab Ende August

Kassel. Ende August soll der Platz vor dem Hauptfriedhof offiziell den Namen Halit-Yozgat-Platz bekommen. Seit Dienstag laufen die Vorbereitungen.

Artikel aktualisiert um 7 Uhr

Manfred Merz, Büroleiter von Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), bestätigte am Dienstag, dass die Vorarbeiten für die Gedenkstätte begonnen haben. Es werde ein kleiner Bereich am Rande der Rasenfläche des Platzes gepflastert. Dort werde ein Gedenkstein aufgestellt und in unmittelbarer Nähe ein Baum gepflanzt, sagte Merz.

Zur Vorbereitung auf die Benennung soll der gesamte künftige Halit-Platz aufgewertet werden. Dazu gehören laut Merz Staudenbeete, die Säuberung des Brunnens und eine Neuordnung der Fahrradständer. Auch die Wege zum Blumenladen und Café werden verbessert.

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Der Gedenkstein soll an die zehn Menschen erinnern, die in den Jahren 2000 bis 2006 mutmaßlich von der rechtsradikalen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aus Zwickau ermordet wurden. Dazu gehörte Halit Yozgat, ein Kasseler mit türkischen Wurzeln. Er wurde im April 2006 in der Nähe des künftigen Halit-Platzes in seinem Internet-Café an der Holländischen Straße erschossen. Nach derzeitigen Erkenntnissen von den Mitgliedern der NSU.

Fotos von den Bauarbeiten

Bauarbeiten am zukünftigen Halit-Platz

Der Wortlaut der Inschrift auf dem Gedenkstein wird laut Merz mit den sieben Städten abgestimmt, in denen die NSU Menschen getötet haben soll. Neben Kassel gehören noch Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund und Heilbronn dazu.

Das Straßenschild des Halit-Platzes soll laut Merz Ende August enthüllt werden. Dafür sei eine Veranstaltung geplant, bei der auch der Stein und der Baum ihrer Bestimmung als Gedenkstätte übergeben werden. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Ende August ist auch der islamische Fastenmonat Ramadan beendet.

Der ausländerfeindliche Hintergrund der Mordserie war erst im vergangenen Herbst bekannt geworden. Seitdem wurde in Kassel über die richtige Form des Gedenkens diskutiert. Im Juni machte der Ortsbeirat Nord-Holland den Weg für die Umbenennung des Platzes vor dem Hauptfriedhof frei: Er stimmte mit großer Mehrheit für einen entsprechenden Vorschlag des Magistrats.

Video: Neonazi-Opfer: Platz vor Hauptfriedhof wird nach Halit Yozgat benannt

Drei SPD- und ein CDU-Mitglied des Ortsbeirats enthielten sich jedoch der Stimme. Ortsvorsteherin Monika Sprafke (SPD) sprach davon, dass viele Menschen im Stadtteil der Ansicht seien, dass die Benennung des Platzes nach Halit Yozgat eine Einzelperson in den Mittelpunkt rücke. Dabei gehe es um zehn Ermordete. Einen Gedenkstein aufzustellen, unterstützt Sprafke jedoch ausdrücklich.

Von Marcus Janz

Hintergrund: Halit Yozgats Vater stieß die Debatte an

Fast sechs Jahre lang waren die Hintergründe des Mordes an Halit Yozgat unbekannt. Nachdem sich im vergangenen November herausgestellt hat, dass sehr wahrscheinlich die rechtsradikale Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) für die Mordserie verantwortlich ist, fand Ende Februar in Berlin eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Opfer statt. Dort sprach auch Halit Yozgats Vater Ismail und bat darum, dass die Holländische Straße nach seinem Sohn benannt werde. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Kassel bereits über die Form des Gedenkens diskutiert. Gegen eine Umbenennung der Hauptverkehrsstraße in Kassels Norden gab es aber starken Widerstand. Letztlich schlug Oberbürgermeister Bertram Hilgen vor, den bislang namenlosen Platz am Hauptfriedhof umzubenennen. Weil in Kassel die Ortsbeiräte das Vorrecht haben, Straßen zu benennen, musste aber der Ortsbeirat Nord-Holland darüber entscheiden. (mcj)

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