Malte Niebelschütz versucht, die Ozeane zu retten

Kasseler produziert Kuscheltiere aus Plastikflaschen

Verkauft Kuscheltiere: Malte Niebelschütz aus Kassel hat sein eigenes Start-up in den USA gegründet. Dort verkauft er Stofftiere aus recycelten Plastikflaschen. Foto: Valentin

Kassel. Der Kasseler Malte Niebelschütz lebt in den USA, hat dort eine Firma und versucht, die Ozeane zu retten. Etwa, indem er Kuscheltiere aus Plastikflaschen produziert.

Drei Freunde aus Kassel ziehen durch die Straßen und Kneipen Hamburgs – trinken Bier. Einer bleibt bei einem Kiosk stehen und kauft eine Möwe als Schlüsselanhänger. Es ist der Beginn einer langen Nacht. Reden macht durstig, trinken macht redselig, Worte werden zu Ideen, Ideen zu Visionen.

Am nächsten Tag hat Malte Niebelschütz einen dicken Schädel. Und einen Plan. Vor ein paar Tagen hatte er einen Artikel über Patagonia gelesen, ein Hersteller von nachhaltiger Outdoor-Bekleidung. Dort ging es um eine Jacke, die aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wurde.

Niebelschütz lebt seit 2011 in San Diego, Kalifornien, USA. Er wollte ein nachhaltiges Souvenir mit einem einfachen Konzept. Die Möwe, die er in Hamburg gekauft hatte, brachte seine Ideen zusammen. „Seitdem das Material für Stofftiere und Klamotten ähnlich ist und ich einen Hersteller gefunden habe, ist ,Shore Buddies’ geboren“, sagt Niebelschütz. „Shore Buddies“ – sein eigenes Unternehmen mit fünf Mitarbeitern. Den Plan, die Welt ein kleines Stück besser zu machen, verfolgt der gebürtige Kasseler schon länger. In Vellmar aufgewachsen, in Kassel zur Schule gegangen, zog es ihn zum Studium nach Hamburg. Sein Start-up hat allerdings wenig mit seinem Studium der Wirtschaftsinformatik zu tun. Dass er trotzdem weiß, wovon er redet, merkt man Niebelschütz an.

Die Ozeane seien voller Plastikmüll. „Das muss doch recycelt werden“, sagt der 33-Jährige. Plastikflaschen recyceln und daraus Kuscheltiere herstellen. Auf die Idee muss man erst mal kommen.

Kalifornien gilt ja immer als hipp und modern, auch wenn es um Umweltbewusstsein geht, sagt Niebelschütz. Dennoch würden sie im Vergleich zu Deutschland hinterhinken.

„Ich kann aber nicht wie in Deutschland mit erhobenem Zeigefinger daherkommen und ans Umweltbewusstsein der Leute appellieren“, sagt Niebelschütz. Das sei in den USA noch gar nicht richtig entwickelt. Und da kommen seine Kuscheltiere und Schlüsselanhänger ins Spiel: Stephen die Möwe, Emma der Waal, Finn der Delfin. Alle mit großen Disney-Tier-Augen und in knalligen Farben. Die Menschen sollen sie haben wollen. „Kuscheltiere als Souvenirs sind ja immer beliebt“, sagt Niebelschütz. Wenn sie dann noch nachhaltig seien – umso besser. Per Hand werden diese zusammengenäht. Die großen Tiere gibt es für 20 Dollar, die kleinen für acht.

Rund 50 Tiere verkauft er am Tag. Seine ersten hat er in einem Nationalpark verkauft. Von dem Verkauf kann Niebelschütz mittlerweile auch leben. „Auch wenn es am Anfang schwierig war, weil ich erst mal investieren musste.“

Von jedem verkauften Tier geht ein Dollar an Umweltprojekte. Niebelschütz will demnächst die Produktion ausbauen und weitere Kuscheltiermodelle auf den Markt bringen. Und natürlich die Ozeane retten, wie er selbst sagt.

www.shore-buddies.com

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