Maßgeblich am Bau beteiligt

Kasseler Architekten planen Europäische Zentralbank

Zwischen Baustelle und Hörsaal: Manfred Grohmann (links) und Frank Stepper auf der Baustelle der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die beiden Kasseler Professoren sind maßgeblich an der Realisierung der EZB beteiligt. Foto: Bert Bostelmann / bf

Kassel. Die beiden Kasseler Architekturprofessoren Frank Stepper und Manfred Grohmann sind maßgeblich am Bau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt beteiligt.

Bauwerke sind ihre Passion. Nur mit Elfenbeintürmen können die beiden Kasseler Architekturprofessoren Frank Stepper und Manfred Grohmann nichts anfangen. Deshalb lassen sie ihre Studenten so viel wie möglich an ihrer Arbeit an der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt teilhaben.

Seit 2002 sind die Architekten maßgeblich an deren Realisierung beteiligt - Stepper als Projektleiter und Partner des beauftragten Wiener Büros Coop Himmelb(l)au und Grohmann, der mit seinem Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann für die Stabilität des Baus verantwortlich ist.

Das Pendeln zwischen Baustelle und Hörsaal, zwischen Praxis und Theorie sei für die Architektenausbildung wichtig, sagt Stepper, der seit 2000 Professor für experimentelles Entwerfen ist. Nur durch den engen Praxisbezug sei es möglich, dass die Absolventen „auf der Höhe der Zeit“ seien und so gute Jobaussichten hätten.

Noch Baustelle: Im nächsten Jahr soll der Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt fertig sein. Foto: dpa

„Das ist wie bei der Ärzteausbildung. Die sollte auch kein Chirurg übernehmen, der 20 Jahre nicht im OP stand“, ergänzt Grohmann, der seit 1996 Tragwerkslehre unterrichtet. Insofern gehe es im Fachbereich „Architektur - Stadtplanung - Landschaftsplanung“ (ASL) auch darum, Innovationen zu entwickeln.

Nicht alles, was die Studenten in Projektgruppen erarbeiteten, müsse sofort realisierbar sein. Ziel sei es, Entwicklungen vorauszudenken. Ansonsten gelte aber, dass die Entwürfe funktionalen und ästhetischen Ansprüchen gleichermaßen genügen müssten.

Grohmann und Stepper haben bereits vor dem EZB-Bau oft zusammengearbeitet. Sie kennen die Mühen des Geschäfts. Für den EZB-Bau hatten sich 300 Architekturbüros beworben - darunter so namhafte wie das von Norman Foster. Nachdem bereits Tausende Arbeitsstunden und viel Geld in die Entwurfserarbeitung geflossen waren, setzte sich Coop Himmelb(l)au durch.

Ab wann glaubt man als Architekt daran, den Auftrag zu bekommen? Stepper lacht. „Von Anfang an müssen Sie daran glauben“, sagt er. Größte Herausforderung beim Bau des Doppelturms (185 und 165 Meter hoch) sei die Integration der denkmalgeschützten Großmarkthalle gewesen. 2014 soll der 1,2 Mrd. Euro teure Bau fertiggestellt sein.

Neue Werkstatt für Studium

Auch der Fachbereich ASL, der bisher über den Standort Holländischer Platz verteilt ist, bekommt für 20 Mio. Euro ein neues Domizil auf dem Campus Nord. Darauf freuen sich die Professoren. Eine gut ausgestattete Werkstatt sei nötig, in der die Studenten räumliche Modelle bauen können. Trotz Computertechnik könne nicht darauf verzichtet werden, nur so lasse sich etwa feststellen, ob die Proportionen eines Baus stimmten.

Die Neubauten, die ursprünglich 2013 fertig sein sollten, sollen nun erst 2014 stehen. Auch so erfahren angehende Architekten den Praxisbezug am eigenen Leib.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.