Oliver Goldenbow ist Mitglied der Crew

Kasseler schippert im weltgrößten Solarboot über die Ozeane

Mit Solar-Energie betriebener Riese: Der Katamaran MS Turanor Planet Solar kreuzt in den Gewässern vor der Skyline der Stadt Miami in Florida (USA). Das Boot ist 35 Meter lang, 15 Meter breit und wiegt 95 Tonnen. Fotos: Planet Solar / nh

Kassel/Mumbai. Er freut sich auf den Winter, darauf, Holz in den Ofen zu legen und das Feuer knistern zu hören. „Die Hitze war am Anfang das größte Problem für mich“, sagt Oliver Goldenbow. Der 43-jährige freie Fotograf und Ernährungswissenschaftler aus Kassel ist seit Oktober Mitglied der fünfköpfigen Crew der MS Turanor Planet Solar.

Der 35 Meter lange und 15 Meter breite Katamaran ist das größte ausschließlich mit Solarenergie betriebene Boot der Welt. Deshalb gibt es keine Klimaanlage an Bord. „Die würde zu viel Strom schlucken“, sagt Goldenbow. Inzwischen hat er sich an die Hitze gewöhnt. Derzeit liegt das Boot in der indischen Hafenstadt Mumbai vor Anker. Ende September 2010 war das Boot in Monaco gestartet, um zu beweisen, dass es möglich ist, die Erde mit einem Solarboot zu umrunden. Es stoppte bisher unter anderem in Miami, Cancun, Bora Bora, im australischen Brisbane, Manila Hongkong und Singapur. Im Mai kommendes Jahr ist die Ankunft in Monaco vorgesehen. Doch so lange wird Goldenbow nicht an Bord bleiben. „Die Crew-Mitglieder wechseln regelmäßig“, sagt er. Ende Februar geht er in Abu Dhabi von Bord.

Kein Seemann

Die Crew: Oliver Goldenbow (von links), Christian Oechsenbein, Erwann Le Rouzic, Thomas David und Jens Langwasser.

„Die Weite und Schönheit unseres Planeten aus dieser Perspektive zu erleben, ist einmalig“, schwärmt er am Telefon. Das Projekt biete eine ideale Plattform, um Menschen jeden Alters und verschiedene Kulturen zum Nachdenken zu inspirieren. Goldenbow beschäftigt sich seit langem mit globalen Wirtschafts- und Umweltproblemen. Er ist der einzige der Crew, der keine seemännische Ausbildung hat. Dafür kann er kochen. Goldenbow ist vor allem für das leiblich Wohl der Crew zuständig. Und der scheint es zu schmecken. „Ich bin bisher noch nicht kielgeholt (bestraft) worden“, sagt er. Auf den Tisch kommen möglichst frisches Gemüse und viel Fisch, die bei den Landgängen an Bord genommen werden. Zur Crew gehören derzeit ein Bootsmann aus Rostock, ein Seemann und der Kapitän aus Frankreich sowie ein Ingenieur aus der Schweiz.

Goldenbow kocht aber nicht nur, sondern dokumentiert auch die Expedition. 2,5 Gigabyte Foto-Material hat er bisher zusammen. Zum Sichten blieb noch keine Zeit. Wenn das Boot 24 Stunden auf dem Meer bewegt wird, müssen alle mithelfen, unter anderem auch dreistündige Wache-Phasen übernehmen. „Es bleibt kaum Zeit, die Dinge großartig zu verarbeiten“, sagt er. Neben der technischen ist die Expedition auch eine soziale Herausforderung. „Es macht unglaublich viel Spaß“, sagt er. Der Raum für die Crew ist großzügig. Allein das Wohnzimmer misst 13 Quadratmeter.

Weihnachten bei Familie

An Bord kam er durch Zufall. Er fotografierte der Stapellauf in Kiel und den Start in Monaco, bewarb sich und ging im australischen Brisbane an Bord. Weihnachten feiert es mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kassel. Für die Crew gibt es ab dem 20. Dezember Weihnachtsferien. Im Januar sticht er wieder in See. Wenn er im Februar die Crew verlässt, war er insgesamt vier Monate an Bord. (mkx)

Von Mirko Konrad

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