Erlebnisse aus dem Alltag eines Berufsfeuerwehrmanns

Kasseler Rettungswagenfahrer berichtet: „Kann oft nur den Kopf schütteln“

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Erfahrener Retter: Denny Goldhahn arbeitet seit sechs Jahren bei der Berufsfeuerwehr in Kassel. Er fährt regelmäßig den Rettungswagen und die Löschfahrzeuge.

Kassel. Denny Goldhahn arbeitet seit sechs Jahren bei der Kasseler Berufsfeuerwehr. Fast täglich steuert er Rettungswagen und Löschfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn durch die Stadt.

„Ein bis zweimal pro Tag erlebe ich Situationen, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Da fragt man sich, wo die Leute ihren Führerschein gemacht haben“, sagt Goldhahn.

Als Ursache für das unangemessene Verhalten der Autofahrer vermutet Goldhahn eine Mischung aus Unaufmerksamkeit und Unsicherheit. Manche tippten auf ihren Smartphones oder hörten laut Musik und nähmen deshalb Martinshorn und Blaulicht zu spät wahr. Andere reagierten panisch und versperrten durch abruptes Abbremsen die Fahrbahn.

Aber nicht nur Autofahrer behinderten die Retter. „Ich habe auch schon Fußgänger erlebt, die wenige Meter vor meinem 16 Tonnen schweren Löschfahrzeug die Straße überquerten, um noch schnell ihre Bahn zu erreichen.“ Zu Unfällen mit Schwerverletzten sei es bei Einsatzfahrten in den vergangenen Jahren zum Glück nicht gekommen, ergänzt Feuerwehrsprecher Ralf Krawinkel.

Grundsätzlich gelte für die Verkehrsteilnehmer: Den Rettungskräften schnell und sinnvoll Platz schaffen. Vor roten Ampeln sei es oft schon hilfreich, wenn die vordersten Autofahrer in der Schlange einen Meter nach vorne fahren, damit die Autofahrer dahinter Platz zum Rangieren haben.

„Jeder Autofahrer sollte vor Augen haben, dass er selbst einmal Hilfe benötigen könnte“, sagt Goldhahn. Gerade beim Transport von Patienten sei es wichtig, dass der Rettungswagen ohne wilde Ausweichmanöver oder Vollbremsungen das Krankenhaus erreiche. „Als Fahrer bleiben mir nur Bruchteile von Sekunden, eine Entscheidung zu treffen.“ Nicht immer sei es möglich, auf die Gegenfahrbahn oder die Straßenbahntrasse auszuweichen, um an innerstädtischen Staus vorbeizukommen. Vor allem zu den Stoßzeiten hätten die Retter ihre Nöte.

„Wir dürfen auf Einsatzfahrten niemanden gefährden. Ein Unfall würde die Rettung unnötig verzögern“, sagt Krawinkel. Um Autofahrer zu bestrafen, wenn sie Retter behindern, fehle beim Einsatz die Zeit.

Auch die Polizei erlebt oft ähnliche Situationen. „Wir haben im Stadtverkehr auch hin und wieder Schwierigkeiten bei Einsätzen, weil Autofahrer nicht rechtzeitig Platz machen“, sagt Polizeisprecher Jürgen Wolf. Mit der Werbekampagne „Rettungsgasse“ an den Autobahnen mache das Land Hessen seit 2015 auf das richtige Bilden von Rettungsgassen aufmerksam.

So verhalten Sie sich richtig:

Folgende Grundsätze sollten Autofahrer beherzigen, sobald ein Fahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn zu hören oder sehen ist:

• Geschwindigkeit verringern 

• Versuchen herauszufinden, aus welcher Richtung das Einsatzfahrzeug kommt. 

• Den Blinker setzen, um anderen Autofahrern und dem Fahrer des Einsatzfahrzeuges zu signalisieren, zu welcher Seite man ausweichen wird. 

• Anhalten, sobald sich die Möglichkeit bietet. Dabei das Fahrzeug parallel zur Fahrbahn ausrichten und genügend Abstand zum Vordermann halten, um Rangieren zu können. 

• Vor der Weiterfahrt darauf achten, ob weitere Einsatzfahrzeuge folgen.

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