Kasseler Rettungszug für Tunnelunfälle wird komplett erneuert

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Kassel. Es ist ein Rettungszentrum auf Schienen: 147 Meter lang, 400 Tonnen schwer und 100 Kilometer pro Stunde schnell ist der Rettungszug der Bahn. Bis 2018 wird der Zug jetzt Stück für Stück komplett erneuert. Ein Blick auf einen rollenden Krankenwagen, der am Hauptbahnhof Kassel stationiert ist.

Der Rettungszug kommt zum Einsatz, wenn es in Eisenbahntunneln auf den Abschnitten der Schnellfahrstrecke Fulda-Kassel und Kassel-Hildesheim zu einem Unfall kommt. Bislang ist das nur einmal passiert.

Von außen ähnelt der von zwei 1200 PS starken Dieselloks angetriebene Zug einem Gütertransport. Im Inneren steckt aber weitaus mehr als Europaletten. Herzstück ist ein Sanitätswagen, der einer rollenden Klinik gleicht: 2 Behandlungstische, OP-Besteck, Defibrillatoren und Beatmungsgeräte gehören zur Ausstattung. In der Stammbesatzung arbeiten dort im Notfall zwei Ärzte und acht Sanitäter.

Ein Transportwaggon dient der Beförderung von 20 Feuerwehrkräften, die von der Kasseler Berufsfeuerwehr gestellt werden. In diesem Waggon befindet sich auch ein Leitstand mit Funktechnik, von dem aus der Rettungszugführer den Einsatz koordiniert. Atemschutzmasken, Sauerstoffflaschen, Funkgeräte, Tragen für Verletzte und moderne Feuerwehrtechnik ist an Bord. Auch an Chemietoiletten wurde gedacht. Im Technikwagen lagern Schläuche, Spritzen, Brennschneider und Rettungsscheren. Und der Löschmittelwagen ist mit 20.000 Liter Wasser und 1000 Liter Schaum gefüllt.

Rettungszug: Mit einer Menge Equipment soll er im Notfall zum Einsatz kommen.

Kommt es wie 1999, als ein mit Papier beladener Güterzug im Leinebuschtunnel bei Göttingen in Brand geriet, zu einem Tunnelunglück, ist die Besatzung vor den Rauchgasen geschützt. Durch eine Schleuse und eine Sauerstoffanlage wird im Inneren eine eigene Atmosphäre erhalten. Weil die Loks nicht gasdicht sind, kann der Lokführer den Zug auch aus dem Führerstand im Transportwagen steuern. Durch Video- und Wärmebildkameras behält er das Geschehen auf den Gleisen im Blick.

Fotos: Ein Blick in den Rettungszug

So sieht der Kasseler Rettungszug für Tunnelunfälle aus

Es ist ein großer Aufwand, den die Bahn betreibt, um im Notfall gerüstet zu sein. Dabei ist der Kasseler Rettungszug nur einer von sechs, der rund um die Uhr für die Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart einsatzbereit ist. Ein zweistelliger Millionenbetrag muss jährlich investiert werden, um die Rettungszüge mit moderner Medizin- und Rettungstechnik nachzurüsten. Nun aber kommen Loks und Waggons in die Jahre und müssen sukzessive ausgetauscht werden.

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