Verdoppelung gegenüber Vorjahr

Rotlicht-Milieu: Gefahr von Aids stark gestiegen

Kassel. Alarmierende Zustände in Kassels Rotlicht-Milieu: Immer mehr Prostituierte bieten sich ihren Freiern ohne Kondomgebrauch zu Niedrigpreisen an – nicht selten zu Preisen um die 20 Euro.

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Eine Folge: In den zurückliegenden Monaten haben Kasseler Sozialarbeiterinnen eine große Gruppe bulgarischer und rumänischer Sexarbeiterinnen in einem „katastrophalen Gesundheitszustand“ angetroffen. Das berichtet Gabi Kubik von „Sicht-Bar“, einer Beratungsstelle für Prostituierte des Kasseler Vereins Frauen informieren Frauen.

Die meisten dieser rund 260 Prostituierten, die die Sozialarbeiterinnen in diesem Jahr in einem Dutzend Kasseler Apartmenthäuser aufgesucht haben, um ihnen Hilfe anzubieten, sind Roma-Frauen. „Kaum eine von ihnen ist krankenversichert“, sagt Kubik.

2012 wurden 40 dieser meist jungen Frauen von Sicht-Bar aufgrund akuter Beschwerden an das Gesundheitsamt Region Kassel vermittelt. Bei vier von 15 Frauen, die tatsächlich zur Frauenärztin gingen, wurde die ansteckende Geschlechtskrankheit Syphilis diagnostiziert.

„Die Frauen arbeiten meist in Abhängigkeit von einem Zuhälter, an den sie einen Teil ihrer Einnahmen abgeben und dessen Anweisungen sie befolgen“, sagt Kubik. Diese Frauen, die kaum Deutsch sprechen, seien für Themen wie Gesundheitsfürsorge und „Stärkung der Verhandlungsfähigkeit gegenüber Kunden“ kaum erreichbar. Die Gesamtzahl der Prostituierten in Kassel liegt schätzungsweise bei 500 Frauen.

Auf ein fahrlässiges Verhalten bei Sexualkontakten ohne Kondom führt Andrea Görmer, Geschäftsführerin der Kasseler Aids-Hilfe, auch den Anstieg der Neu-Infektionen von HIV zurück: 29 Menschen aus der Region haben sich 2012 mit dem Aids-Virus angesteckt. 2011 waren es zwölf, 2010 acht Menschen. Insgesamt sind in Nordhessen über 450 Menschen HIV-positiv. (chr)

Rubriklistenbild: © dpa

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