Mäh sin mäh un essen Ahle Wurscht

Die „Kasseler Schlacken“ besingen ihre Heimatstadt

Nehmen die Kasseler musikalisch-augenzwinkernd auf die Schippe: Jörg Rainer Wiesner, Martin Ulrich und Carsten Derr (von links) sind die Kasseler Schlacken. Foto:  privat

Kassel. Neun Buchstaben hat der kürzeste Nenner, auf den sich das Lebensgefühl der Kasseler bringen lässt: Mäh sin mäh – nordhessisch für „Wir sind wir“. Die „Kasseler Schlacken“ haben daraus in breiter Mundart einen rockigen Song fürs lokale Selbstbewusstsein gemacht.

„Ich liebe diese Stadt und ihre komische Sprache“, sagt Martin Ulrich, der Frontmann des Trios. In Dresden geboren, hat er sich schon seit Schülertagen einen ausgeprägten Kasseläner Slang angeeignet. Auch Jörg Rainer Wiesner, mit dem Ulrich in den 70er-Jahren in der Kasseler Kultrockband Aqua spielte, sowie Tonstudiomann Carsten Derr sind Zugezogene, haben den herzlich-rauen Tonfall der neuen Heimat lieben gelernt und kennen längst die feinen Unterschiede. „Deshalb sind wir nicht die Kasseläner, sondern die Kasseler Schlacken“, sagt Wiesner.

Um den Titelsong „Mäh sin mäh“ haben sie ein ganzes Album aufgenommen, dessen 16 Mundartsongs auch Auswärtigen nahebringen können, wie man in Kassel tickt. Das hat Stadtjubiläumsplaner Hans-Jochem Weikert im Rathaus so gut gefallen, dass er die CD in den Reigen der Jubiläumsprojekte zur 1100-Jahr-Feier aufnehmen ließ – verbunden mit dem offiziellen Dank der Stadt für das Engagement des Trios um die Heimat-Identität.

Dass die Schlacken hierfür Bemerkenswertes bewirken, zeigt sich an einem Song, der sich ebenfalls auf der CD befindet: „Ahle Wurscht“ feiert nicht die Stadt unterm Herkules, sondern das kulinarische Vorzeigeprodukt der ganzen Region. Als „kleinen Gag“ nur hatten die Schlacken das Lied bei einem Auftritt zum Fassbieranstich im Düsseldorfer Hof vorgestellt – seither hat sich der ohrwurmverdächtige Refrain „Hosde Hunger, hosde Durscht – trink ’n Schoppen un ess ’ne Ahle Wurscht“ rein durch Mundpropaganda nicht nur in Nordhessen, sondern in viele Weltgegenden verbreitet.

Ahle Wurscht im Himalaya: Martin Ulrich mit geschmuggeltem Proviant vor dem Annapurna-Massiv in Nepal. Foto:  Stier/Archiv

Auf Volksfesten, bei Kneipenfeiern und Kaffeefahrten wird der Schlager angestimmt, sogar auf einer Karnevals-Großveranstaltung in Köln haben offenbar gebürtige Kasseler den Song ins Beschallungsprogramm bugsiert. Und auf der Internetseite der Schlacken, so zeigt die Statistik, haben Besucher aus bisher 18 Ländern auf die Ahle-Wurscht-Hymne zugegriffen. „Das sind wahrscheinlich Nordhessen im Ausland“, sagt Martin Ulrich, „für die ist das wie ein Stück Heimat.“ Jörg Wiesner hat schon Leute getroffen, die den Song als Handy-Klingelton benutzen.

Das Interesse der Welt an Ahler Wurscht hat Ober-Schlacke Ulrich zu einer filmischen Guerilla-Aktion inspiriert: Ein Youtube-Video (auch auf www. bigpoint-productions.de) zeigt, wie der Weltenbummler auf einer Himalaya-Tour in Nepal die Vorzüge einer mitgebrachten Ahlen Wurscht als Proviant preist. „Die musste ich natürlich schmuggeln“, gesteht Ulrich. Nach dem Filmen seien auch die nepalesischen Sherpas von der nordhessischen Spezialität begeistert gewesen.

In Marokko entstand ein weiteres Filmchen des musikalischen Ahle-Wurscht-Botschafters – Fortsetzung soll folgen.

CD erhältlich bei Scheibenbeisser, Lost & Found, Bauer & Hieber sowie im Nordhessen-Shop in der Königs-Galerie.

Von Axel Schwarz

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