Ministerin möchte aus Sanierung ein weltweites Modellprojekt machen

Kasseler Schleuse: Hessen macht Rettungsangebot

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Massiver Reparaturbedarf: Der Beton in den Nischen der Untertore hält nicht mehr. Dieser Teil der Kasseler Stadtschleuse stammt größtenteils noch aus dem Jahr 1913.

Kassel. Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) will die Kasseler Schleuse sozusagen im Alleingang retten. Sie plant, aus ihrem Etat (über zwei Milliarden) die sechs Millionen Euro für ein Modellprojekt zur Verfügung zu stellen, mit denen die Schleuse dauerhaft saniert werden könnte.

Sechs Millionen Euro würde der Einbau einer neuen, kleineren Kammer in die marode Schleuse kosten. Passiert nichts, würde die Schleuse wohl 2016 für immer geschlossen werden.

Im Gegenzug soll der Bund, der Besitzer der Schleuse ist, die Fulda dauerhaft unterhalten, sie zum Beispiel regelmäßig ausbaggern. Doch in Berlin zögert man noch, sich mit dem Vorschlag auseinanderzusetzen. Denn dort will man am liebsten die untere Fulda als Bundeswasserstraße fallen lassen, da es keine Frachtschifffahrt gibt. Beobachter der Szene meinen denn auch, dass der Vorstoß der Ministerin, der von Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen unterstützt wird, keine großen Chancen in Berlin hat. Der Bund will vor allem die Kosten loswerden, die eine dauerhafte Pflege der Fulda verursacht. Ohne ein Ausbaggern würde die Fulda aber nach und nach versanden, mit dem Wassersport - auch der Ruderer und Paddler - wäre es irgendwann vorbei.

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Die sechs Millionen Euro könnte das Wissenschaftsministerium zur Verfügung stellen, indem es am Beispiel der Kasseler Schleuse ein Modellprojekt fördert. Denn an der Universität Kassel gibt es Fachleute, die sich mit den Problemen maroder Schleusen bestens auskennen. So sind die Professoren Dr. Stephan Theobald (Wasserbau und Wasserwirtschaft) und Dr. Ekkehard Fehling (Fachgebiet Massivbau) an Projekten beteiligt, mit denen unter anderem der Panamakanal und der Canal Seine du Nord in Frankreich saniert werden. Die Kasseler Professoren gelten als Experten mit internationalem Renommee. Ministerin Kühne-Hörmann, die selbst begeisterte Wassersportlerin mit einem Boot auf der Fulda ist: „Mit ihrer Hilfe kann es uns gelingen, ein Modell für alle Sanierungen von Schleusen in Deutschland und auf der ganzen Welt zu entwickeln.“ In Deutschland sind viele Schleusen in die Jahre gekommen und müssen auf Vordermann gebracht werden.

Fotos: So funktioniert die Kasseler Schleuse

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Die Idee des Kasseler Modellprojekts hat Eva Kühne-Hörmann bereits zusammen mit Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) im Bundesverkehrsministerium mit dem Staatssekretär Michael Odenwald erörtert. Jetzt, so die Ministerin, müssten noch einige „Stellschrauben nachgezogen werden“. Dann werde man dem Bund als Eigentümer der Schleuse das Sechs-Millionen-Angebot aus Hessen auch schriftlich unterbreiten.

Von Frank Thonicke

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