Nordhessen-Spezialität auf Reisen

Kasseler schmuggelt Ahle Wurscht in viele Länder

Auf dem Dach der Welt: Vor dem Annapurna-Massiv in Nepal freut sich Martin Ulrich über seinen Wanderproviant aus der Heimat. Der Kasseler reist nie ohne eine Ahle Wurscht im Gepäck und dreht damit witzige Internet-Filmchen vor exotischen Kulissen.

Kassel. Martin Ulrich ist bekennender Schmuggler. Wann immer der Kasseler Musiker weltweit auf Reisen ist, hat er eine Ahle Wurscht im Gepäck.

Zwar ist es in den meisten Ländern außerhalb der EU streng verboten, solche rohen, tierischen Lebensmittel einzuführen. Doch Ulrich nimmt augenzwinkernd das Risiko in Kauf, wegen der duftenden Nordhessenspezialität mit strengen Zöllnern aneinander zu geraten. Bisher ist er immer durchgekommen - ob in Asien, Südamerika oder Nordafrika.

Wenn er dann vor exotischer Kulisse genüsslich in eine Luftgetrocknete beißen kann, „ ist es immer gleich wie zu Hause“, schwärmt Martin Ulrich. Aber vorher macht er sich stets noch einen Spaß daraus, mit der Wurscht in der Hand ein kleines Filmchen zu drehen und ins Netz zu stellen - als weltweiter Botschafter für den Geschmack der Heimat. Auf seine Youtube-Videos wird aus über 75 Ländern zugegriffen. Vermutlich sind jede Menge Exil-Nordhessen darunter, denen beim Angucken das Wasser im Mund zusammenläuft.

Es hat etwas von der „Sendung mit der Maus“, wenn Martin Ulrich vor dem Annapurna-Massiv steht, auf einem marokkanischen Markt, in Buenos Aires oder in Patagonien und in breitester Kasseläner Mundart preist, wie ihm sein Schmuggelgut in der Fremde „schmegged“. Immer intoniert er dabei auch den Refrain seines Ahle-Wurscht-Songs, mit dem Martin Ulrich und seine Spaß-Band, die „Kasseler Schlacken“, einen lokalen Ohrwurm geschaffen haben: „Hosde Hunger, hosde Durscht - trink ’n Schoppen un ess ’ne Ahle Wurscht...“

Nicht ohne Wurst nach Marrakesch: Auch in die marokkanische Königsstadt musste die Nordhessenspezialität mit. Foto:  Privat

Und dann dürfen auch Einheimische abbeißen. Die nepalesischen Sherpas beim Himalaya-Trekking seien „total begeistert“ gewesen, erzählt Ulrich. In Marrakesch hat er die Spezialität anderen westlichen Reisenden angeboten, „weil die Marokkaner ja kein Schweinefleisch essen dürfen“. Wer immer auch das für Nicht-Nordhessen exotisch anmutende Produkt probiere - „alle wollen immer erst mal riechen“, erzählt der Genuss-Schmuggler.

A propos: Ganz ohne ist es vielen Ländern nicht, wenn einen der Zoll beim Versuch erwischt, streng verbotene Lebensmittel einzuführen. Ein wenig stolz ist Martin Ulrich, dass ihm das immer wieder gelingt - dank einer speziellen Verpackungsmethode, die er freilich nicht verraten mag. „Da ist jedenfalls nichts zu riechen“, sagt er. Selbst die grimmig-akribischen Zöllner in Indien hätten ihn durchgewunken, und nicht mal ein ganzes Rudel Spürhunde auf dem Flughafen von Santiago de Chile habe Verdacht geschöpft.

Beim Hauptzollamt Gießen schätzt man Ulrichs Risiko als überschaubar ein. Wie in der EU sei die Einfuhr solcher Waren in den meisten Ländern zwar verboten, sagt Pressesprecher Michael Bender. „Aber wenn so was eindeutig für den Eigenbedarf ist, wird es den Reisenden in der Regel weggenommen, ohne dass groß ein Staatsakt darum gemacht wird.“

Persönlich habe er Sympathie und Verständnis, sagt der Zoll-Sprecher: „Ich esse auch sehr gern Hausmacher Wurst und habe auf Reisen oft eine dabei. Aber wenn ich außerhalb der EU ankomme, ist sie meistens schon aufgegessen.“

Von Axel Schwarz

Der komplette Ahle-Wurscht-Kanal

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.