Chef der Fulda-Terrassen fühlt sich falsch dargestellt

Mein Lokal, Dein Lokal: Kasseler Schnitzelkönig verärgert über Show

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„Die Wunde ist groß“, sagt Aykut Senli, Chef der Fulda-Terrassen am Kasseler Auedamm: Der 44-Jährige fühlt sich in der Koch-Show „Mein Lokal, Dein Lokal“ falsch dargestellt. Er sei bei den Dreharbeiten auch manipuliert worden.

Kassel. Aykut Senli, Betreiber des Ausflugslokals Fulda-Terrassen in Kassel, fühlt sich durch die TV-Show „Mein Lokal, Dein Lokal“ falsch dargestellt. Er habe schon über eine Klage nachgedacht.

Aykut Senli empfängt in den Fulda-Terrassen, seinem Restaurant, das es zuletzt sogar ins Fernsehen geschafft hat. Das ist ein bisschen das Problem. Senli nahm an der Sendung „Mein Lokal, Dein Lokal“ auf Kabel 1 teil – als einer von fünf nordhessischen Gastronomen. Der 44-Jährige bezeichnete sich als Schnitzelkönig, der die besten Schnitzel Kassels macht. Die Jury um Starkoch Mike Süsser sah das anders. Senli wurde Letzter. Jetzt kämpft der Schnitzelkönig um seine Ehre.

Senli sitzt an einem Tisch in seinem Restaurant, dunkles Jackett, kariertes Hemd, und kommt gleich zur Sache: „Ich fühle mich benutzt.“ Und: „Als ich die Sendung gesehen habe, da habe ich einen Schock bekommen.“ Seine Frau habe zu ihm gesagt: „Das bist du nicht.“

Mein Lokal, Dein Lokal: Die Sache mit dem Schnitzelkönig

Er war es aber, das zumindest bestreitet er nicht. Er beklagt sich über die Zusammenschnitte und über das, was die Produktionsfirma aus ihm gemacht hat. In der Sendung steht er zum Beispiel vor seinem Restaurant und ruft, dass er Kassels Schnitzelkönig sei. Im Beitrag werde er als Großkotz dargestellt, aber: „Ich kann zwar großkotzig sein, aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Ich habe schließlich Familie.“ Senli ist verheiratet, hat zwei Kinder. Jetzt fühlt er sich hintergangen: „Die haben sich ein Schlachtschwein gesucht und mich gefunden.“

Er will jetzt erzählen, wie es wirklich war – zum Beispiel die Sache mit dem Schnitzelkönig. Die Idee, sich so zu nennen, sei nicht von ihm gekommen, sondern von der Produktionsfirma. Aber wie kommt sie darauf? Nun ja: In einem Vorgespräch habe er erzählt, dass der Fleischermeister der SB-Union ihn immer Schnitzelkönig nenne, weil er die meisten Schnitzel in jenem Kasseler Großhandel kaufe. Die Produktionsfirma habe den Namen super gefunden. Die Leute würden so etwas mögen. Er habe entgegnet, dass Schnitzelkönig doof sei, und er habe darauf verwiesen, dass er keine Chance habe gegen Konkurrenten wie Rainer Holzhauer vom „Grischäfer“. Am Ende aber hieß er: Schnitzelkönig.

Bei den Dreharbeiten: (von links) Aykut Senli, damals noch optimistisch, seine Konkurrenten Rainer Holzhauer („Der Grischäfer“) Haschmat Rabanizada („Zum Riedesel“) Christine Rinklin („Weidengarten“) und Antonio Iannibelli („Die Reblaus“).

Senli machte mit, das muss er sich ankreiden lassen. Er weiß das. Er habe sich manipulieren lassen, obwohl er sich eigentlich nicht manipulieren lässt. So kam es, dass er mit dem Fleischklopfer hantierte, als gäbe es kein Morgen mehr. Und so kam es, dass er Schlachtrufe zum Besten gab wie: „Ich bin der Allergrößte.“ Er habe Anweisungen befolgt: „Hau noch mal rein, haben die zu mir gesagt. Die Leute mögen Schlachtrufe. Ich bin in einem Strudel gefangen gewesen.“

Senli redet sich ein bisschen in Rage. Sein Ärger ist auch ein paar Wochen nach der Ausstrahlung der Sendung nicht verflogen. Das liegt auch an den Reaktionen. Ein wahrer Shitstorm sei im Internet über ihn hereingebrochen. Zudem sei er von einigen Gästen im Lokal beschimpft worden. Drei Tage nach der Ausstrahlung habe das Gesundheitsamt bei ihm auf der Matte gestanden, weil ein Gast über Bauchschmerzen geklagt habe, nachdem er bei ihm gegessen habe.

„Die Wunde ist groß“, sagt Senli. Zumal da noch die Sache mit dem Glutamat im Raum steht. In der Sendung war das eine Art Running Gag: Der Schnitzelkönig und das Glutamat, das er benutzt – eines Schnitzelkönigs unwürdig. Aber: „Das stimmt nicht.“ Zumindest nicht so, wie es dargestellt worden sei. Nichtsdestotrotz habe Süsser in der Sendung immer wieder auf der Glutamat-Sache rumgeritten.

Er hat die Sendung angeblich nicht gesehen: Mike Süsser. 

Senli hat das so erbost, dass er Süsser über sein Smartphone eine Nachricht schrieb. Die Antwort kennt er fast auswendig. Mike Süsser habe geschrieben, dass er mit dem Schnitt der Sendung nichts zu tun habe; und außerdem: Er habe die Sendung auch gar nicht gesehen. Senli solle sich doch bitte an die Produktionsfirma wenden.

Das hat der 44-Jährige natürlich getan. Immer wieder zeigt er auf sein Smartphone, das vor ihm liegt. Er verweist auf diverse Mails und Antworten, die für ihn alle unbefriedigend gewesen sind – ausweichend und unverbindlich. Er fühlt sich getäuscht; und womöglich ist er auch ein bisschen sauer auf sich selbst, dass er es hat einfach laufen lassen.

Teilnahme bei "Mein Lokal, Dein Lokal" als Werbung

Er hat die Teilnahme in erster Linie als Werbung für sein Restaurant gesehen. Er ist da durch und durch der gewiefte Geschäftsmann gewesen. Er selbst ist ja gar kein Koch, sondern ein gelernter Dreher, der stolz darauf ist, zu was er es gebracht hat: 1999 hat er sich mit einer Firma für Gebäudereinigung selbstständig gemacht. Dort hat er 80 Mitarbeiter. Später hat er dann als Betreiber eine Kantine und eben die Fulda-Terrassen übernommen. Er kümmert sich um die Geschäfte, aber eigentlich nicht um die Schmandschnitzel. Dafür hat er drei Köche.

Noch so ein Missverständnis – irgendwie. Eigentlich sollte sein griechischer Koch gefilmt werden. Aber der könne nur schlecht Deutsch sprechen. Deshalb habe er selbst erst kurz vor Drehbeginn erfahren, dass er kochen muss, sagt der Mann mit türkischen Wurzeln. Das war für den Schnitzelkönig, der kein Schnitzelkönig sein will, eine Herausforderung – und Stress pur.

Er musste vier Vorspeisen zaubern, obwohl er nur eine Vorspeise auf der Karte hat. Er musste von 9 Uhr bis nachts den Hauptdarsteller vor der Kamera spielen. Und er musste schließlich seine Konkurrenten bewirten. Das habe auch alles gut geklappt, aber am Ende ärgert sich Senli auch über das, was daraus gemacht wurde.

Zu sehen ist Mitbewerber Rainer Holzhauer, der ein Steak bestellt; er sagt dann auch, dass es ihm sehr gut geschmeckt habe. Als die Rechnung dann kam, erwähnte Holzhauer allerdings, dass 26,90 Euro dafür zu teuer seien. Laut Senli habe sich Holzhauer aber geirrt, das Steak habe nur 18,90 Euro gekostet. Daraufhin sei die Szene noch einmal gedreht worden; Holzhauer habe dann gesagt, dass der Preis angemessen ist. Ausgestrahlt worden sei aber die Variante mit 26,90 Euro.

Klage gegen Produktionsfirma von "Mein Lokal, Dein Lokal"?

Senli kann das immer noch nicht fassen. Er überlegt sogar, die Produktionsfirma zu verklagen. Aber wahrscheinlich wird daraus nichts, zumal: Finanziellen Schaden hat er nicht erlitten. Er sagt, dass der Betrieb in den Fulda-Terrassen einen Ticken zugenommen habe. Sein Selbstbewusstsein hat er auch nicht verloren: „Ich behaupte immer noch, dass wir die besten Schnitzel Kassels haben.“

Eine letzte Frage noch, nachdem Senli nun geschimpft hat über das Fernsehen und was es aus ihm gemacht hat. Nachdem er all seinen Ärger hinausposaunt hat. Würde er also noch mal an solch einer Sendung teilnehmen? Aykut Senli überlegt nicht lange. Laut und deutlich sagt er: „DEFINITIV!“

Die Videos sind ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurden nicht von der HNA erstellt.

Das sagt die Produktionsfirma von "Mein Lokal, Dein Lokal"

Die Kölner Fernsehproduktionsfirma Good Times, die die Koch-Show „Mein Lokal, Dein Lokal, dreht, hat folgende Stellungnahme zu Aykut Senlis Vorwürfen abgegeben: 

„Grundsätzlich ist zu sagen, dass wir dem Vorwurf der Falschdarstellung widersprechen. Bei unserem Format „Mein Lokal, Dein Lokal“ handelt es sich um ein Dokutainment-Format, bei dem nicht nach Drehbuch gedreht wird. Das bedeutet, dass wir sehr viele Wert auf die Authentizität der Protagonisten legen. Jeder Protagonist hat das Recht, seine eigene Meinung zu äußern und zu vertreten. Dies wird von uns sogar ausdrücklich gewünscht und durch unsere Realisatoren auch so umgesetzt. 

Abgesehen davon, dass alle Gastronomen erwachsene Leute und für ihre Aussagen selber verantwortlich sind, wird niemand gedrängt etwas zu sagen, was er nicht möchte. Eine nachträgliche Falschdarstellung durch den Schnitt ist ebenfalls nicht möglich. Wir können nichts zeigen, was nicht passiert ist oder nicht gesagt wurde! Jeder Teilnehmer unseres Formates hat also seine Außenwirkung selbst in der Hand und kann entscheiden, was er zum Beispiel beim Essen anspricht oder nicht.“

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