Nach Aufregung wegen Standort-Wegfall

Kasseler Sparkasse erklärt sich: Müssen Kosten sparen, um stabil zu bleiben

Schließt zum Ende des Monats: der SB-Standort im Stadtteil Philippinenhof-Warteberg.
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Schließt zum Ende des Monats: der SB-Standort im Stadtteil Philippinenhof-Warteberg.

Die Entscheidung der Kasseler Sparkasse, zum Ende des Monats 21 Selbstbedienungs- und Geldautomatenstandorte aufzugeben, hat für heftige Kritik gesorgt. Nun reagiert das Geldinstitut.

Kassel – „Sicher sind diese Entscheidungen im Einzelfall hart, das ist uns bewusst. Als Sparkasse mit öffentlichem Auftrag müssen wir das aber tun, um unser Haus stabil in die Zukunft zu führen“, erklärte Vorstandsvorsitzender Ingo Buchholz im Gespräch mit der HNA. „Mit Spareinlagen verdienen wir aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank schon seit Jahren nichts mehr, auf der anderen Seite kostet etwa die digitale Transformation auch viel Geld“, führte Buchholz aus. „Aus rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten hätten wir doppelt so viele Standorte schließen müssen – das machen wir aber nicht.“ Man habe sich intensiv Gedanken gemacht und weitere Faktoren beachtet. Dazu gehöre die Entfernung zum nächstgelegenen Standort und die Zahl der betroffenen Kunden.

Hauptgrund für die Entwicklung sei aber das Kundenverhalten. „Der Trend zu mehr bargeldlosem Zahlen war schon vor Corona deutlich spürbar. Auch die Transaktionen an den Geldautomaten nehmen seit Jahren stetig ab“, erläuterte Thomas Tripp, Bereichsleiter Organisation bei der Sparkasse. Einen Rückgang von 30 Prozent habe das Geldinstitut seit 2017 bei den Transaktionen verzeichnet. „Dem gegenüber steht, dass wir nur 17 Prozent der Geldautomaten aufgeben und weiterhin über 121 verfügen – mehr als jeder andere in der Region.“

Ingo Buchholz, Vorstandsvorsitzender.

Nach eigenen Angaben wendet die Sparkasse jährlich rund 5,3 Millionen Euro für die Bargeldversorgung auf. Mit den nun 21 zu schließenden Standorten hoffe man auf Einsparungen von rund 500 000 Euro pro Jahr. „Unter reinen Ertragsgesichtspunkten lohnt sich ein Geldautomat nie, da wir 99 Prozent der Transaktionen unentgeltlich abwickeln“, sagte Tripp. „Wir nehmen auch weiterhin eine dauerhafte Unterauslastung an vielen Standorten in Kauf“, ergänzte Buchholz. Es gehe nicht um Gewinnmaximierung, sondern um wirtschaftliche Stabilität. „Auch nach den Schließungen sind wir weiterhin in jeder Kommune vertreten und wollen es bleiben.“ Gemessen an der Gesamtkundenzahl fallen laut Sparkasse nach der Umstrukturierung rund 2600 Kunden auf jeden Standort.

Der Vorstandsvorsitzende hob hervor, dass alle Kunden auch weiter in den bestehenden Beratungscentern beraten werden, auch Hausbesuche werde es auf Kundenwunsch weiter geben. „Natürlich verstehen wir den Ärger an den betroffenen Standorten, müssen aber aufgrund des veränderten Kundenverhaltens reagieren.“ Vom Rückzug von Wettbewerbern an verschiedenen Standorten habe man kaum profitiert. Für die Zukunft seien zudem Investitionen geplant, die den Kunden zugutekommen sollen, etwa die Modernisierung der Beratungscenter Lohfelden und Gieselwerder.

Kasseler Sparkasse erhält Rückendeckung von der Stadt

Die Stadt Kassel teilte auf Anfrage mit: „Der Verwaltungsrat der Kasseler Sparkasse – in dem auch Vertreter politischer Gremien von Stadt und Landkreis Kassel sitzen – hat diese Entscheidung einstimmig getroffen.“ Sie sei nicht leichtgefallen und sorgfältig geprüft worden, im Sinne der Zukunftssicherung aber unumgänglich. Kreislandrat Uwe Schmidt ist Vorsitzender des Verwaltungsrates, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle sein Stellvertreter.

„Wir haben alle betroffenen Bürgermeister und die betroffenen Ortvorsteher zu Infoveranstaltungen eingeladen und uns über die gute Resonanz gefreut“, erklärte Buchholz. Nach HNA-Informationen hatten die Ortsvorsteher ihre Teilnahme abgesagt. „Bei diesem Termin sollten den Ortsvorstehern die Beweggründe und Perspektiven ausführlich aufgezeigt werden“, erklärt die Stadt.

„Bei meiner Absage wurde ein zweiter Termin in Aussicht gestellt. Ich habe auch nachgefragt, worum es geht. Da wurde nichts von raschen Schließungen gesagt“, hält Maximilian Bathon dagegen, Ortvorsteher im Philippinenhof. „Wäre klar gewesen, was auf uns zukommt, hätte ich jemanden an meiner Stelle teilnehmen lassen.“ Er sagt, der Sparkasse sei es nur um bloße Information gegangen, zumal sei sehr kurzfristig zu dem Termin eingeladen worden. „Ende Mai war diese Entscheidung längst gefallen.“ (Von Gregory Dauber)

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