21 Standorte betroffen

Bald weniger Geldautomaten in und um Kassel: Sparkasse schließt Standorte

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Die Kasseler Sparkasse schließt 21 SB-Standorte (Symbolbild).

In der Region Kassel gibt es künftig deutlich weniger Geldautomaten. Die Sparkasse schließt 21 SB-Standorte, davon fünf in der Stadt und 16 im Kreis Kassel.

Kassel – Die Kasseler Sparkasse schafft zum Ende des Monats 21 Selbstbedienungsstandorte sowie Geldautomaten in Stadt und Kreis Kassel ab. Diese seien „defizitär“, wie das Geldinstitut mitteilte. Als Grund nennt das Geldinstitut einen starken Rückgang im Geschäftsjahr 2020 bei den Transaktionen an SB-Standorten und einen „deutlichen Anstieg“ bargeldloser Zahlungen. Zu den SB-Standorten gehören immer ein Geldautomat, teilweise auch Kontoauszugsdrucker und Überweisungsterminals. 32 Standorte dieser Art soll es in Zukunft noch geben. Auch die 44 Beratungscenter bleiben erhalten.

Wie die Sparkasse am Montag erklärte, habe sie im vergangenen Geschäftsjahr rund 24 Prozent weniger Transaktionen an ihren SB-Standorten verzeichnet als noch im Jahr zuvor. Damit habe sich „der bereits länger anhaltende rückläufige Trend durch die Coronakrise weiter beschleunigt“, erklärt das Geldinstitut. Aufgrund des veränderten Kundenverhaltens wolle die Sparkasse ihr Standort-Netz „optimieren“ und 21 „defizitäre“ SB-Standorte schließen. Gleichzeitig solle in den Ausbau digitaler Angebote sowieso die Modernisierung der Beratungscenter, von denen es 18 in der Stadt und 26 im Kreis gibt, investiert werden.

Region Kassel: Sparkasse schließt 21 Standorte

Bei der Entscheidung, welche Standorte geschlossen werden sollen, hätten nicht nur die Wirtschaftlichkeit und die Nutzungsquote eine Rolle gespielt, so die Kasseler Sparkasse. Auch die Entfernung zum nächsten Standort oder bestehenden Alternativen im Einzelhandel seien in die Entscheidung mit eingeflossen.

In Kassel ist besonders der Westen der Stadt betroffen: Zum 30. Juni schließen die SB-Standorte Brasselsberg, Augustinum und Philippinenhof, außerdem werden die Geldautomaten in der Kurhessen-Therme sowie im Tegut-Supermarkt auf der Marbachshöhe abgeschaltet. Das Beratungscenter in Waldau ziehe aber nicht wie geplant nach Lindenberg, dieser Standort bleibt bestehen. Während die SB-Terminals an einigen Standorten geschlossen werden, entsteht in der Innenstadt von Kassel die größte Sparkassen-Filiale Deutschlands.

Die Reaktionen aus der Politik zur jüngsten Entwicklung bei der Kasseler Sparkasse fallen gemischt aus. Kreis-Landrat Uwe Schmidt (SPD) teilte auf Anfrage der HNA mit: „Mit der Schließung von SB-Standorte reagiert die Kasseler Sparkasse auf das veränderte Kundenverhalten – die jetzt ausgewählten Automaten wurden kaum genutzt. Als Landkreis Kassel haben wir ein großes Interesse an der Kasseler Sparkasse als wirtschaftlich starken Partner in der Region. Dazu gehört auch, dass die Kasseler Sparkasse Kosten da sparen muss, wo Angebote kaum noch genutzt werden.“

Kasseler Sparkasse schließt SB-Standorte in Stadt und Kreis Kassel: Unverständnis bei Ortsvorstehern

Die Ortsvorsteherin des Kasseler Stadtteils Bad Wilhelmshöhe, Anja Lipschik (Grüne), erklärte auf Anfrage: „Gerade an Orten, an denen Menschen nicht so mobil sind und durch die Schließung längere Wege in Kauf nehmen müssen, um Bargeld abzuheben, sollte es SB-Standorte geben. Die Sparkasse gehört zur Daseinsfürsorge für die Menschen.“ In Bad Wilhelmshöhe sollen drei SB-Standorte abgeschafft werden. Lipschik, die auch in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung sitzt, gibt zu bedenken: „Viele Menschen sind treue Kunden der Sparkasse und entscheiden sich bewusst gegen andere Dienstleister. Das sollte wertgeschätzt werden.“

Maximilian Bathon, Ortsvorsteher Philippinenhof-Warteberg.

„Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt Maximilian Bathon (CDU), Ortsvorsteher für Philippinenhof-Warteberg und Kasseler Stadtverordneter. Er übt scharfe Kritik am Vorgehen der Sparkasse: „Ich habe erst am Montag davon erfahren und werde auf jeden Fall das Gespräch mit der Kasseler Sparkasse suchen. Wir haben hier mehr als 4000 Einwohner in unserem Stadtteil und brauchen diesen Geldautomaten – nicht nur für unsere älteren Mitbürger.“ Er könne es nicht akzeptieren, dass nach dem Wegfall der Geschäftsstelle vor einigen Jahren, nun überhaupt keine Präsenz der Sparkasse mehr in Philippinenhof-Warteberg vorhanden sein solle.

Im Landkreis werden 16 SB-Standorte geschlossen, darunter auch welche, die vor wenigen Jahren noch Beratungscenter waren und im Jahr 2017 auf SB-Standorte umgestellt wurden, wie beispielsweise in Hombressen, Reinhardshagen-Vaake, Lohfelden und Fuldabrück-Dennhausen.

Sparkasse in der Region Kassel: Diese Standorte sind von der Schließung betroffen

Diese SB-Standorte der Sparkasse werden in der Stadt Kassel geschlossen:

  • Kurhessen Therme
  • Marbachshöhe
  • Philippinenhof
  • Brasselsberg
  • Augustinum

Diese SB-Standorte der Sparkasse werden im Landkreis Kassel geschlossen:

  • Bad Karlshafen-Helmarshausen
  • Baunatal-Altenritte
  • Baunatal-Rengershausen
  • Naumburg-Elbenberg
  • Fuldabrück-Dennhausen
  • Fuldatal-Rothwesten
  • Helsa-Wickenrode
  • Helsa-Eschenstruth
  • Hofgeismar-Hombressen
  • Hofgeismar-Hümme
  • Lohfelden-Rathaus
  • Reinhardshagen-Vaake
  • Schauenburg-Breitenbach
  • Schauenburg-Martinhagen
  • Söhrewald-Wattenbach
  • Vellmar-West

Die Kasseler Sparkasse stellt klar, nicht nur Service abbauen zu wollen: „Wir investieren seit Jahren und auch zukünftig in die Modernisierung der stationären Beratungscenter, zurzeit in Lohfelden und Gieselwerder. Mit unseren 44 personenbesetzten Beratungscentern und zusätzlichen SB-Standorten verfügen wir in unserem Geschäftsgebiet nach wie vor mit 76 Standorten über das dichteste Service- und Beratungsnetz aller Geldinstitute.“ Um alle Kunden mitzunehmen, gebe es auch neuartige Beratungsangebote, wie Sprecherin Katrin Westphal berichtet: „Durch regelmäßige Veranstaltungen zum Thema Online-Banking informieren wir insbesondere ältere Kunden über die neuen digitalen Möglichkeiten. Im Einzelfall bieten wir sogar individuelle Beratung Zuhause an, sobald es die Corona-Pandemie wieder erlaubt.“ (Gregory Dauber)

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